175 Jahre Franziskaner in Vierzehnheiligen

(1839 - 2014)

 

>> Festvortrag von P. Johannes Thum vom 19.05.2014 <<


P. Johannes hielt den Festvortrag zum Jubiläum 175 Jahre Franziskaner in Vierzehnheiligen
P. Johannes hielt den Festvortrag zum Jubiläum 175 Jahre Franziskaner in Vierzehnheiligen

Vorbemerkung: Die Quelle für diese Aufzeichnungen ist die Chronik, wie sie üblicherweise in unseren Klöstern geführt wird. Da geht es natürlich um das Leben und die Tätigkeit des Klosters, der äußere Rahmen, z.B. die gesellschaftlichen oder politischen Verhältnisse, auch die allgemeine kirchliche Entwicklung, kommen nur gelegentlich zur Sprache. Es handelt sich meist um äußere, besondere Begebenheiten. Das Alltägliche, z.B. die tägliche Hausordnung mit dem mehrmaligen Stundengebet, die Arbeit der Laienbrüder in Haus und Garten, die regelmäßigen Gottesdienste und Betreuung der Wallfahrten, die ausgedehnte Tätigkeit im Beichtstuhl, die vielen Aushilfen in den Pfarreien ringsum, Vorträge und Exerzitien, all das wird, weil selbstverständlich, nicht eigens aufgeführt, soll aber eingangs wenigstens genannt werden.

Auch das Atmosphärische, welche Stimmung im Kloster herrschte, wie sich der einzelne fühlte, kann nur gelegentlich indirekt erschlossen werden. Schließlich kann es nur um einzelne Streiflichter aus den verschiedenen Epochen gehen, vieles Wichtige muss aus Raumgründen wegfallen. Gerne soll immer wieder die Chronik selbst sprechen, im Originalton der jeweiligen Zeit.


I.

Bei der Säkularisation 1803 wurden die Zisterziensermönche von Kloster Langheim vertrieben. Die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen und das dazugehörige Propsteigebäude wurden Staatseigentum bis heute.

Die Wallfahrt in Vierzehnheiligen konnte zwar notdürftig aufrecht erhalten werden, doch wurde sie durch staatliche Regelungen stark eingeschränkt.

Dazu kam 1835 ein Unglück: Der Blitz schlug in einen Kirchturm ein, die Orgel und der ganze Dachstuhl brannte ab und der Regen drang durch das Gewölbe in das Kircheninnere und beschädigte die herrlichen Fresken von Appiani.

Der neue bayerische König Ludwig I. änderte die Kirchenpolitik seines Vaters Max Josef. 1828 bestimmte der König, dass eine Gemeinschaft der Franziskaner nach Vierzehnheiligen kommen solle, wenn die bisherigen Wallfahrtspriester altersbedingt ihren Dienst nicht mehr ausüben könnten. Aber es dauerte noch einmal 10 Jahre.

Am 27. März 1839 zogen dann die ersten drei Franziskaner in Vierzehnheiligen ein: Als Superior (Oberer) Pater Bartholomäus Merk mit Pater Andreas Berchthold und Frater Pius Gribl. Am 16. April 1839 wurden sie durch das Landgericht und Rentamt Lichtenfels in die Nutznießung des Hauses förmlich eingewiesen.

Der Anfang war mühsam: Das Haus hatte noch Schäden vom Brand 1835 und musste innen für die Erfordernisse eines Klosters umgebaut werden, etliche notwendige Möbel fehlten noch, die finanzielle Grundlage musste mit dem Landgericht und der Kirchenverwaltung, die kirchenrechtlichen Verhältnisse mit der Pfarrei Staffelstein abgeklärt werden.

Doch mit dem Einzug der Franziskaner stieg die Zahl der Wallfahrer wieder rasch an und damit natürlich auch das Maß der seelsorglichen Verpflichtungen, 1852 waren bereits vier Patres im Einsatz. Später waren normalerweise ca. fünf Patres für die Seelsorge und fünf Laienbrüder da: Pförtner, Koch, Gärtner, Schneider, Mesner, evtl. Organist.

Auch die Wallfahrtskirche wurde Schritt für Schritt von den Folgen der Säkularisation und der Brandkatastrophe befreit: 1847-71 fand eine durchgreifende Innenrenovierung statt, dazu schreibt die Chronik:

„Bei dieser Unternehmung beteiligten sich die Franziskaner mit ganz besonderem Fleiße. Unter dem Superiorat des P. Sanctes Bernhard allein haben sie 15000 Gulden für die Kirche gesammelt. Der Name Sanctes Bernhard ist mit diesem Werk unzertrennlich verknüpft, als echter Franziskaner jedoch hat er sehr viel gearbeitet und geleistet, aber wenig darüber aufgeschrieben. 


II.

(Ein späterer Chronist schreibt allerdings dazu: „Was aber bei der folgenden Restaurierung sehr unangenehm war und viele Kosten verursachte)…. Sämtliche Fresken und Altarbilder sind neu und vom berühmten Historienmaler August Palme aus München entworfen und ausgeführt. Die Seitenaltäre bei der Apsis erhielten die Bilder des hl. Franziskus und Antonius. Freilich wurde später von berufenen Kunstkennern gerade der bläuliche Farbenton an den Wänden und Figuren und sämtliche Gemälde stark beanstandet. Auch das Äußere der Kirche wurde insofern verschönert, als die schmutzigen Händlerbuden entfernt und rechts und links von der Kirche entlang dem Rande des Platzes aufgestellt wurden.“

1848 wurde eine neue Orgel von der Fa. Büttner in Nürnberg mit 39 Registern, 1838 drei kleine, 1870 zwei große Glocken angeschafft.

Am 14.9.1872 wurde das hundertjährige Kirchweihjubiläum gefeiert:

„Nachdem zu diesem erhabenen Jubelfeste alles vorbereitet war, begann die Feierlichkeit selbst am 14. September nachmittags um vier Uhr. Der Tempel war mit Tausenden von Menschen angefüllt. Der Hochwürdigste Herr Bischof Dr. Conrad Martin von Paderborn war auf Einladung dahier erschienen und eröffnete die Feierlichkeit mit Veni Creator Spiritus und dem Segen mit dem hochwürdigsten Gute. Darauf bestieg Herr Domkapitular Dr. Schmid aus Bamberg die Kanzel, verkündete den für dieses Jubelfest vom Heiligen Vater eigens verliehenen Ablass und hielt die erste Predigt.

Von nun an war die Kirche diese acht Tage über Tag und Nacht wie belagert. Täglich wurden drei Predigten von den tüchtigsten Kanzelrednern aus den Säkular- und Franziskanerordenspriestern abgehalten. Sehr viele Beichtväter hörten die Beichten der Wallfahrer, von denen mancher geduldig stundenlang wartete, bis die Reihe auch an ihn kam. Fast täglich wurde um halb sechs abends noch die hl. Kommunion gereicht. Das war so recht ein wahrhaft katholischen Fest, an dem Hohe und Niedere freudig Zeugnis für ihren Glauben ablegten. Die Zahl der Wallfahrer an diesen acht Tagen ist immerhin auf ca. 100 000 zu schätzen, die der Kommunikanten auf über 26 000 und die der Priester auf über 400. Von den übrigen Feierlichkeiten ist ganz besonders hervorzuheben, dass der hochwürdigste Herr Bischof Conrad von Paderborn zwei Pontifikalämter und eine Pontifikalvesper hielt, ferner, dass Hochderselbe zweimal die Kanzel bestieg, um apostolische Worte zum Herzen des Volkes zu sprechen.“

1848 hören wir zum ersten Mal von einem Problem, das noch öfter dem Kloster und den Wallfahrern zu schaffen machte: „Im Jahre 1848 wurden an einem großen Wallfahrtstage die Rohre der Wasserleitung mit Gras und Lumpen derartig zugestopft, dass am Wallfahrtsbrunnen kein Wasser zu haben war. Das Volk geriet in Aufruhr und drohte das Klostergebäude mit Steinen zu bewerfen und die Bewohner desselben zu misshandeln. Nur mit großer Mühe konnte die Gendarmerie die Leute in Ordnung halten. Das ganze Bubenwerk war von den Wirten inszeniert worden, um mehr Bier anzubringen. Im entscheidenden Augenblick fiel dem damaligen Superior eine diesbezügliche Äußerung eines Wirtes, die er im Kloster hatte fallen lassen, ein, er sah nach und fand den Tatbestand und gleich war dem Missstande abgeholfen.

Nicht so schnell konnten die Franziskaner dem Volke helfen in trockenen Sommermonaten, wo die Brunnschrottwasserleitung oftmals nur sehr wenig Wasser gab oder ganz versiegte. 1876 musste das Wasser vom Tal heraufgefahren werden. Darum brachte Superior P. Possidius Hintermayer die Errichtung einer neuen Wasserleitung in Vorschlag mit dem Hinweis, dass die Brunnschrottquelle bloß mit Regenwasser gespeist werde und darum in trockenen Sommermonaten oftmals versiege und so die armen Wallfahrer des so nötigen Wassers entbehren müssten. Aber erst 1878 wurde die Wasserleitung vom Schönthal her gebaut.“

Erst 1956 konnte eine dauerhafte Lösung im Wasserstreit gefunden werden.


III.

„Auch Mitglieder des Königlichen Hauses beehrten Kirche und Kloster öfters mit ihrem hohen Besuche. So kam öfters Herzog Max von Banz aus hierher. 1883 besuchte Herzog Max-Emmanuel mit Gemahlin Vierzehnheiligen. Im gleichen Jahr erschien auch Prinz Luitpold, der spätere Regent von Bayern, im Kloster und belustigte sich mit den Patres und Brüdern bei einem Spiele auf der Kegelbahn. Auch Erzbischof Friedrich von Schreiber weilte alle Jahre mehrere Tage bei „seinen Franziskanern“.“

1870: „Die Kriegszeiten machten sich in Vierzehnheiligen nur insofern bemerkbar, als die Wallfahrt sich eines zahlreicheren Besuches zu erfreuen hatte.“

1889 wurde von der Ritenkongregation in Rom ein eigenes Messformular für die 14 Heiligen approbiert und für das Kloster konzediert.

1890 wurde ebenfalls vom Heiligen Stuhl das Fest der vierzehn Nothelfer bewilligt und das erste Mal seit Jahrhunderten wieder mit aller erdenklichen Pracht gefeiert. Seitdem ist diese Feier unter Anwesenheit eines Bischofs immer ein Höhepunkt in der Feier des Kirchenjahrs in Vierzehnheiligen.

„Ab Juni 1889 wurde zum ersten Mal die Kirche des Nachts geschlossen. Bisher hatten die Wallfahrer an Konkurstagen in der Kirche übernachten dürfen, wobei mancherlei Unordnung und wohl noch schlimmere Dinge vorkamen. Wie jede einschneidende, vom Hergebrachten abgehende Maßnahme bekrittelt und bekämpft wird, so auch die in Rede stehende... Der einzig gefährliche Widerstand gegen die Maßregel kam von Seiten einiger Wachshändler, welche versuchten, den P. Provinzial zu beeinflussen, dass der Superior versetzt und durch seinen Nachfolger der alte Zustand wieder hergestellt werde“.

Von 1893-1910, also 17 Jahre lang stand ein Gerüst an der Kirche: schadhafte Steine wurden ausgewechselt und die alten barocken Turmhauben anstelle der Spitzen von 1835 wieder hergestellt.

1897 erhielt die Kirche den Rang einer päpstlichen Basilika minor „auf wiederholtes Nachsuchen des hochwürdigsten Herrn Erzbischofs Josef von Schork. Am Vierzehnheiligenfest hielt seine Exzellenz eine tiefergreifende Ansprache, in der er die Gläubigen über die Würde und außerordentliche Auszeichnung, die der Kirche zuteil geworden, belehrte.“ Doch bemerkt der Chronist skeptisch: „Außer dem Titel hat die Kirche und das Kloster nichts von dieser Rangerhöhung“.

An großen Wallfahrtstagen waren immer Gendarmen anwesend, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Sie erhielten im Kloster einen Aufenthaltsraum. Die damalige Hostienbäckerei diente vorübergehend als Haftzelle für ertappte Übeltäter. „Doch ist aus derselben bereits ein Häftling, obwohl an den Händen geschlossen, durch das früher nicht vergitterte Innenfenster in den Garten und so in die goldene Freiheit entwichen, bis sein Schicksal ihn wieder in die Hände seiner Häscher lieferte“.

1905 wurde nach langwierigen Verhandlungen eine neue Orgel von Steinmeyer in Öttingen mit 43 Registern eingebaut.

1908 wurde das Kloster ordensrechtlich zum Konvent erhoben und P. Ivo Schmidt als erster Guardian eingesetzt. Er war aber bereits todkrank und starb nach wenigen Wochen.