Das Gebetsanliegenbuch in der Votivkammer der Basilika

Das Gebetsanliegenbuch in der Votivkammer der Basilika Vierzehnheiligen erzählt von Schicksalsschlägen. Doch auch zuversichtliche Einträge sind darin zu finden. Pater Christoph Kreitmeir sieht die dicken Bücher regelmäßig durch.

Votivkammer

Der jüngste Eintrag im Gebetsanliegenbuch ist erschütternd: „Liebe Mutter Gottes, Ihr 14 heiligen Nothelfer! Mein 14-jähriger Enkel wird heute zum zweiten Mal operiert. Krebs-Op. an der Lunge! Nachdem ihm schon vor zwei Monaten das Bein amputiert wurde, wird diese Krankheit immer schrecklicher! Bitte lasst ihn diese Zeit gut überstehen. Bittet bei Gott um die Gesundung meines Enkels (an Leib und Seele).“ Das Buch ist voll mit solchen und ähnlichen Einträgen. Mit schwarzem oder blauem Kugelschreiber hinterlassen die Menschen meist anonym oder nur mit Initialen versehen ihre Bitten an die himmlischen Mächte. Schwere Schicksale, zuversichtliche Äußerungen, aber auch dankbare Kommentare sind in dem Buch zu lesen, das in der frisch renovierten Votivkammer ausliegt. Manche Schriften sind klar gegliedert, andere von zittriger Hand gekritzelt. Bunt durcheinander gewürfelt wie die Anliegen sind auch Syntax und Semantik. Kindlich lautmalerische Orthographie steht neben lateinischen Sentenzen, schmucke Druckbuchstaben neben diszipliniertem Sütterlin.

Der allwissende Herrgott dürfte die Autoren mit Nachsicht behandeln, was kleine orthographische Verfehlungen betrifft. Er und sein Himmelsgremium stehen über jedem Lehrerkollegium, sogar über der Kultusministerkonferenz. Die 14 Heiligen wissen sicher, wie mit einem falschen Dativ umzugehen ist, und sie können die Einträgen auf Russisch, Tschechisch oder Chinesisch lesen. Die Franziskaner des Klosters schließen die Anliegen und die Bitten der Menschen ins Gebet ein.

„Die Welt kommt hier her, denn hier haben die Menschen eine Chance, ihre Mühsal los zu werden“.