Der hl. Pantaleon greift ein

Alljährlich zieht ein langer Heerzug den heiligen Berg hinauf, immer am 1.Maisonntag. So ist es Brauch seit Ende des letzten schrecklichen Krieges. Es sind die Heimkehrer aus dem mörderischen Ringen, die Davongekommenen, die Veteranen und Wieder- Gesundeten. Sie danken für so manch wunderbare Rettung aus Tod bringender Gefahr. Einer von ihnen weiß sich der Nothelfer-Gruppe zu besonderem Dank verpflichtet.

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Es war im 2. Weltkrieg im Sommer 1944. Man musste kein Prophet sein, um das Ende des verlorenen Krieges vorauszusehen. Invasion in Frank- reich! Im Juni 44 musste der gute Karl Haus und Hof verlassen und in den Krieg ziehen, nach Westen gings, nach Frankreich. Invasion - da wurde einfach jeder gebraucht. Ade, liebe fränkische Heimat! Auf Wiedersehen, Vierzehnheiligen?... Der Trupp deutscher Landser fällt in die Hände französischer Wider- standskämpfer.

Man macht kurzen Prozess mit ihnen: in der Stellung "Hände hoch!" marschieren sie in einen Steinbruch. Zum Füsilieren. Woran denkt jeder in seiner letzten Minute? Viele Gedanken hämmern durch den Kopf. Da kommt dem fränkischen Landser Vierzehn- heiligen in Erinnerung. Diese strahlende, herrliche Kirche! Und dann der Gnadenaltar in der Mitte. Ist unter dieser heiligen Schar nicht auch einer mit gekreuzten Armen über dem Kopf? Richtig, dem heiligen Pantaleon hat man die Hände auf den Kopf ge- nagelt, ein schreckliches Ende... Und so geht in dieser letzten und todesnahen Se- kunden das Gebet zum hl. Pantaleon... Da braust ein Jeep in den Steinbruch. Stop! Langes Palaver zwischen den Franzosen und einem amerikansichen Offizier. Der übernimmt jetzt das Kommando. Bei ihm sind sie in sicheren Händen. Sie sind nochmals mit dem Leben davongekommen. Danke, lieber heiliger Pantaleon!

Schließt einst die kurze Lebensbahn und tritt der Tod an uns heran, dann, Vierzehn Heilge, steht uns bei, dass Gott am End` uns gnädig sei. O helfet uns in Not und Leid! Und stärket uns in Kampf und Streit! Und führt uns einst zur Herrlichkeit!

P. Dominik Lutz, Der Gnadenaltar in Vierzehnheiligen, 1993, Bild -und Buchverlag A. Bornschlegel, Staffelstein, Seite 66f., ISBN 3-980 1257-7-7