Bei Sanierung auf historische Mauerreste gestoßen

(Bei diesem Beitrag handelt es sich um die etwas bearbeiteten Artikel von Wibke Gick im Obermain-Tagblatt vom 12.02., S. 3 und von Tobias Kindermann im Fränkischen Tag vom 12.02., S. 9.)


Bei Sanierungsarbeiten an der berühmten Wallfahrtsbasilika wurden durch Zufall erstmals Fundamente der Vorgängerkirche entdeckt. An genau drei Stellen, direkt unter der Grasnarbe in etwa 80 Zentimeter Tiefe, stießen Mitarbeiter des Staatlichen Bauamtes Bamberg auf den Vorgängerbau aus dem 16. Jahrhundert.

 
P. Johannes Thum, Fritz Angerer, Andreas Büttner, Ulrich Delles und P. Benedikt Grimm stehen an der Stelle, wo man bei den Elektroarbeiten auf Fundamente der alten Kirche stieß, und zeigen einen Lageplan (siehe unten) der alten zweiten Kirche am Ort.
P. Johannes Thum, Fritz Angerer, Andreas Büttner, Ulrich Delles und P. Benedikt Grimm stehen an der Stelle, wo man bei den Elektroarbeiten auf Fundamente der alten Kirche stieß, und zeigen einen Lageplan (siehe unten) der alten zweiten Kirche am Ort.
 

Der Fund ist für Architekten und Denkmalforscher gleichermaßen überraschend wie erfreulich. Denn nun kann eindeutig belegt werden, dass die alten Pläne und Aufzeichnungen von Balthasar Neumann bezüglich der Umrisse des Vorgängerbaus um weniger als zwei Meter mit der jetzt aufgefundenen historischen Substanz differieren. "Damit ist bestätigt, dass sich die Erscheinungsstelle in der Basilika an ihrem wirklichen Platz befindet", sagte Ulrich Delles vom Staatlichen Bauamt Bamberg.

Ein Blick in die Geschichte verdeutlicht dies: Nachdem Klosterschäfer Hermann Leicht im September 1445 eine Erscheinung hatte, errichteten Gläubige genau an dieser Stelle (also im jetzigen Zentrum der Basilika) zuerst ein Holzkreuz, im Jahre 1448 dann eine kleine Wallfahrtskapelle. Aufständische Bauern zerstörten diese jedoch 1525. Im Jahr 1543 wurde die zweite Kirche geweiht, also die Vorgängerkirche der jetzigen dritten Kirche am heiligen Ort, die Wallfahrtsbasilika.

Diese zweite Kirche war vom Umfang her deutlich kleiner als der jetzige Bau, aber von der Ausrichtung her noch streng geostet. Die Wallfahrtsbasilika nach Balthasar Neumann wurde leicht gedreht und somit Richtung Kloster Banz ausgerichtet. "Diese Vorgehensweise war bedeutsam, da hier erstmals Bezug auf Banz genommen wurde. Es fand quasi ein städtebaulicher Prozess statt", erklärte der Leiter des Staatlichen Bauamtes Bamberg, Fritz Angerer.

Bereits im Jahre 1735 begannen die Planungen zu einer großen Wallfahrtskirche, nachdem der Vorgängerbau durch den Dreißigjährigen Krieg schwere Schäden aufwies. 1743 wurde der erste Grundstein nach den Plänen Balthasar Neumanns gelegt. Ein Jahr später, 1744, korrigierte Balthasar Neumann nachträgliche Veränderungen am Kirchenbau, die der Bauleiter Gottfried Krohne bewerkstelligt hatte. Es entstand die Basilika, wie wir sie heute kennen.

"Das Besondere war jedoch, dass Balthasar Neumann die neue Basilika um die alte Kirche herum baute. Erst nach Fertigstellung der neuen wurde die alte Kirche abgetragen", erläuterte Archäologe Dr. Büttner. "So konnten trotz jahrelanger Bauarbeiten die Gottesdienste stattfinden", fügte P. Johannes Thum, Wallfahrtsseelsorger und Archivar im Franziskanerkloster Vierzehnheiligen, hinzu.

 
Direkt unter der Grasnarbe stieß man bei Sanierungsarbeiten an genau drei Stellen auf die Fundamente der Vorgängerkirche.
Direkt unter der Grasnarbe stieß man bei Sanierungsarbeiten an genau drei Stellen auf die Fundamente der Vorgängerkirche.
 

Auf die historische Substanz stießen die Mitarbeiter des Staatlichen Bauamtes Bamberg bereits am 24. November 2009, als sie während Erneuerungsarbeiten der Elektrotechnik im Außenbereich der Basilika einen Graben an der Südseite (gegenüber den Verkaufsständen) anlegten. "Direkt unterhalb der Grasnarbe entdeckten wir durch Zufall die Überreste der Vorgängerkirche. Das war für uns überraschend", erläuterte Ulrich Delles. Sofort wurde das Landesamt für Denkmalpflege in Seehof informiert, die dann mehrere Tage vor Ort das Aufgefundene dokumentierten. Die Grabungsstelle ist seit Wintereinbruch wieder geschlossen.

Dr. Büttner zeigte sich mit den Ergebnissen sehr zufrieden: "Die Grabungsfunde bestätigen nicht nur, dass die Vorgängerkirche geostet war, sondern zeigen auch sehr schön, dass das Fundament bis auf wenige Meter mit dem übereinstimmt, was seinerseits Balthasar Neumann vorgefunden hatte und in seinen Abbruchplänen auch so festhielt", sagte der Archäologe.

 
Die Grabungsfunde geben Gewissheit, dass die Vorgängerkirche von Vierzehnheiligen (kleines Modell in der Mitte) streng geostet war. Die Basilika nach Balthasar Neumann (großer Umriss) wurde Richtung Kloster Banz ausgerichtet.
Die Grabungsfunde geben Gewissheit, dass die Vorgängerkirche von Vierzehnheiligen (kleines Modell in der Mitte) streng geostet war. Die Basilika nach Balthasar Neumann (großer Umriss) wurde Richtung Kloster Banz ausgerichtet.
 

Die neuesten Entdeckungen erfreuten auch P. Benedikt Grimm, dem Kirchenrektor der Basilika: "Es ist schön, dass Vierzehnheiligen nun bald auch in den archäologischen Standardwerken einen Platz einnehmen wird."