Neuer Pilgerweg von Seßlach nach Vierzehnheiligen eingeweiht

 
Wallfahrergruppe am Ende einer Wallfahrt. Die Skulptur "Angekommen" am Fuße der Basilika Vierzehnheiligen ist Zielpunkt des neuen Pilgerweges
Wallfahrergruppe am Ende einer Wallfahrt. Die Skulptur "Angekommen" am Fuße der Basilika Vierzehnheiligen ist Zielpunkt des neuen Pilgerweges
 

Für „Ankommen am Ende eines Weges“ steht die Skulptur von Künstler Michael Steigerwald, die nun am Fuße des Berges unter der Basilika Vierzehnheiligen ihren Platz hat. Insgesamt 20 Skulpturen säumen die zwei neuen Pilgerwege von Seßlach und Untermerzbach nach Vierzehnheiligen. Am 07. Mai wurden die Wege im Rahmen einer Feierstunde mit kurzem Pilgergang von Wolfsdorf in Richtung Vierzehnheiligen gesegnet und die Skulpturen offiziell übergeben.

Mit den zwei neuen Skulpturenwegen ist in Verbindung mit dem schon bestehenden „Fränkischen Bibelweg“ von Untermerzbach nach Seßlach ein Rundweg entstanden. „Auf 47 Kilometern laden 32 Skulpturen herzlich ein, inne zu halten“, so der Seßlacher Bürgermeister Hendrik Dressel. Künstler aus sieben Ländern Europas haben die Skulpturen der zwei neuen Wege gefertigt.

Dadurch sollen die Wallfahrerwege „für alle erkennbar und erlebbar“ werden, erklärte der Erste Bürgermeister von Bad Staffelstein, Jürgen Kohmann. Jede Figur wird durch theologische Texte erklärt und ist einem Thema, wie „Helfen, sich für andere einzusetzen“, „Freiheit“ oder auch „Aufbruch“ gewidmet. „Es wäre schön, wenn dieser Weg dazu führt, dass sich noch mehr Menschen nach Vierzehnheiligen auf den Weg machen“, findet die Dritte Bürgermeisterin von Bad Staffelstein, Sabine Scheer, die auch zur Weihe der Skulpturenwege an dem kurzen Pilgergang von Wolfsdorf zur letzten Figur vor Vierzehnheiligen teilnahm.
Sie begibt sich jedes Jahr auf Wallfahrt nach Gößweinstein. Auf dem Pilgerweg nimmt sie sich „Zeit zum Nachdenken“. Sie genießt es, Zeit für sich zu haben und „zu sich selbst zurück zu finden“. Mit Freunden, die zu Besuch sind, will sie auch die neuen Wallfahrerwege nach Vierzehnheiligen gehen.

Auf dem Pilgerweg nach Vierzehnheiligen soll künftig das liegen, was Dressel das „Auswandern aus dieser Welt“ nannte. Unter den Wallenden aus der Lokalpolitik, Künstlern, Musikern der Stadtkapelle Seßlach und heimatverbundenen Menschen war auch die Seßlacherin Katja Eideloth. Sie lebte jahrelang in Bad Staffelstein. „Hier interessiert mich die Strecke, weil ich finde, dass diese einfach traumhaft ist“, beschreibt die junge Frau ihreMotivation zur Teilnahme.

 
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Die Rapsfelder leuchten, leichterWind weht, es ist warm, die Sicht ist gut. Eideloths Blick wechselt zwischen Landschaft und Fußweg und vermittelt den Eindruck einer Frau, die ihre Schritte bewusst lenkt.
Ihr gelegentliches Schweigen ist keine Antwort auf Leere. Sie will ihren Gedanken von Wolfsdorf zur letzten Skulptur bei Vierzehnheiligen nachhängen. Nein, sonderlich religiös sei sie nicht, sagt sie.Was sie auf dieser Route sucht, sei „innere Ausgeglichenheit und Ruhe, Zufriedenheit und Abschalten“. Das fällt nicht leicht in einem gesprächigen Pulk. Es keimt der Verdacht auf, Pilgerwege solle man am besten nur mit sich selbst gehen. An der Spitze gehen P. Guardian Heribert Arens und Pfarrer Fleischmann. Der Wind spielt mit dessen Stola, was einem die fliegenden Standarten aus Viktor von Scheffels Lied der Franken in den Sinn kommen lässt. Wer Katja Eideloth nun in den Sinn kommt, ist jedoch der singende Pfarrer Wolfgang Buck. Die Begründung passt zur Landschaft: „Seine Lieder sind der Heimat verbunden und gläubig.“ Bald war die letzte Skulptur erreicht. Dressel, Vorsitzender der den Pilgerweg stützenden Initiative, sprach von einer „faszinierenden künstlerischen Umsetzung“ und erhielt als Bestätigung spontanen Applaus.

 

Der Erste Bürgermeister der Stadt Seßlach, Hendrik Dressel, hielt vor der
letzten Skulptur des neuen Wallfahrtsweges eine Festansprache mit dem
Titel "Pilgerwege sind Glaubenswege"

Der Erste Bürgermeister der Stadt Seßlach, Hendrik Dressel, hielt vor der
letzten Skulptur des neuen Wallfahrtsweges eine Festansprache mit dem
Titel "Pilgerwege sind Glaubenswege"
 

„Hinwandern zu Gott"

Das Leitmotiv für die neuen Wallfahrerwege stammt von Anselm Grün: „Unser Gehen ist ein Auswandern aus dieser Welt und ein Hinwandern zu Gott, unserer wahren und letzten Heimat“, erklärte Dressel, Vorsitzender der Initiative Rodachtal e.V., in seiner Rede „Pilgerwege sind Glaubenswege“ am Fuße des Wallfahrtsortes Vierzehnheiligen. „Ein starker, fester Glaube“ sei notwendig gewesen, um dieses „ambitionierte Projekt zu verwirklichen“.

Die Wallfahrerwege, „die wir durch unsere 20 Skulpturen besonders aufgewertet haben“, seien seit dem 15. Jahrhundert bis heute Wege nach Vierzehnheiligen, dem bekanntesten Wallfahrtsort in der weiten Umgebung. Sie verbinden die drei Landkreise Haßberge, Coburg und Lichtenfels sowie die sechs Städte und Gemeinden Untermerzbach, Itzgrund, Seßlach, Großheirath, Lichtenfels und Bad Staffelstein.

Überregional bedeutsam

Die Wallfahrerwege seien überregional bedeutsame Wege von Königshofen in Unterfranken und dem Südwesten Thüringens an das Obermaingebiet und somit Zuwege zum internationalen Jakobsweg. Großzügige finanzielle Fördermittel zur Verwirklichung des Projektes erhielten die beteiligten Gemeinden, laut Dressel, von der Europäischen Union, dem Freistaat Bayern, der Oberfrankenstiftung und aus dem Fördertopf „Leader“.

Dressel richtete seinen Dank an alle an dem Projekt Beteiligten, insbesondere an den Initiator, den Seßlacher Holzbildhauer Wolfgang Schott, den federführenden Regionalmanager Frank Neumann, den Leader-Manager Michael Hofmann sowie von theologischer Seite an P. Benedikt Grimm, P. Heribert Arens und an den Stadtpfarrer von Seßlach, Stefan Fleischmann. Nachdem Schott die Skulpturen offiziell übergeben hatte, wurden sie von Pfarrer Fleischmann und P. Heribert gesegnet. Mit einem Grußwort würdigte Landrat Reinhard Leutner die neu entstandenen Skulpturenwege. Musikalisch umrahmt wurde der gesamte Festakt vom Spiel der Stadtkapelle Seßlach unter Leitung von Michael Bauer.

(Dieser Beitrag ist die Bearbeitung der beiden Artikel "20 Skulpturen säumen den Weg zur Basilika", in: Obermain Tagblatt, 09.05.11, S. 21 und "Weg zum ´Auswandern aus dieser Welt´", in: Fränkischer Tag, 09.05.11, S. ?)