Gesegnete Ackerrösser

Traktorenwallfahrt: mit Demut, Diesel und Tempo 20

Rollender Pilgerzug: 175 Fahrzeuge tuckern bei Traktorenwallfahrt auf den Heiligen Berg

Traktorenwallfahrt nach Vierzehnheiligen 2016

Mit Demut und Diesel bewegte sich am vergangenen Samstag ein rollender Pilgerzug nach Vierzehnheiligen. 175 knatternde und schnaubende Ackerrösser erklommen mit ihren stolzen Besitzern den Heiligen Berg, um vor der Basilika christliche Weihen zu empfangen. Die Traktorenwallfahrt ist seit fünf Jahren eine regelrechte Sternfahrt, heuer kamen die Schlepper auch aus Ober- und Niederbayern, aus Berlin oder dem Ostallgäu.

Reiner Derra von den Oldtimer-Freunden aus Bad Staffelstein, die das Spektakel veranstalten, war von der Resonanz überwältigt. „Mit 50 Teilnehmern haben wir einmal angefangen, heute reicht der Platz rund um Basilika bald nicht mehr aus“.
Für Walter Mackert von den Oldtimer-Freunden ist eine Traktor-Wallfahrt ein Ausdruck der Dankbarkeit gegenüber dem Schöpfer: „Dafür, dass man das ganze Jahr mit dem Traktor unterwegs war, in Hobby oder Beruf, und dafür, dass nichts passiert ist, verbunden mit der Bitte, dass auch im nächsten Jahr nichts passieren wird“, sagte er dieser Redaktion.

„Es ist keine Spaßveranstaltung, der Kirchgang gehört dazu“, unterstrich Peter Werner aus Eckersbach bei Schlüsselfeld. Er war mit einem 63er MacCormick den Berg heraufgetuckert. Seine Familie mit Anna und Leonard hatte eine mächtige Wallfahrtskerze für die Basilika mitgebracht, die später vom Kirchenschweizer Holger Schwind am Gnadenaltar entzündet wird.

„Seid auch barmherzig zu euren Traktoren und gebt nicht immer Vollgas.“
Pater Heribert Arens, Guardian

Aus Thüringen war ein halbes Dutzend Oldtimer gemeinsam aufgebrochen. Drei Stunden waren sie unterwegs, der Langsamste gab mit seiner Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern das Tempo vor.

Doch er war immer noch einer der Schnelleren der gesamten Wallfahrt, für manchen Lanz-Bulldog sind 20 Stundenkilometer das Höchste. Bevor der Glühkopfmotor eines Lanz-Bulldog aus den späten 30er-Jahren angeworfen werden kann, muss er per Lötlampe auf Temperatur gebracht werden. Und dann kommt das markerschütternde Plopp-plopp, wenn der Motor von Hand mit dem umgesteckten Lenkrad angeworfen wird.

Es reihte sich aber auch jüngere Schlepper aus den 50er- und 60er-Jahren ein, nicht nur perfekt restaurierte, sondern auch viele „Arbeitstiere“, von denen die Kleineren vor allem zur Waldarbeit taugen. Und dann standen sie alle oben auf dem Heiligen Berg in Reih und Glied, die Allgaier, Lanz, Eicher, Deutz, Fendt, Güldner, Bautz, Mc Cormick, Schlüter, Hanomag, Massey-Ferguson und verschiedene Ausführungen russischer oder tschechischer Fabrikate.

Traktorenwallfahrt 2016

Schlepper und Fahrer gesegnet

Der Guardian des Klosters und Rektor der Basilika, Pater Heribert Arens, begleitete den Ein- und Auszug der Pilger mit der Leuchsentaler Blasmusik und war von den herausgeputzten Schleppern und gut gelaunten Fahrern angetan. Der Franziskaner hob die Segnungen der Landwirtschaft und die Traktoren hervor, die dabei unverzichtbar seien. Er wählte das Franziskuswort „Seid Inseln der Barmherzigkeit“ in seiner Ansprache und schärfte den Bulldogfahrern ein: „Seid auch barmherzig zu euren Traktoren und gebt nicht immer Vollgas.“

Walter Mackert assistierte dem Franziskanerpater schließlich bei der Segnung der Traktoren und ihren Besitzern.

Text und Bild von Andreas Welz

19.09.2016