Gott suchen kann ich auf vielen Wegen,
finden werde ich ihn dort, wo ich liebe.  

Christa Carina Kokol

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März 2017
Geistliche Impulse

Ich bin dankbar, Franziskaner zu sein

Jub

Der folgende Zeitungsbericht von Markus Häggberg erschien im Fränkischen Tag vom 31.07./01.08.10 . Wir haben die Erlaubnis, ihn zu verwenden und wollen Sie daran teilhaben lassen.

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„Ich bin in der glücklichen Lage, dass mein Hobby mein Beruf ist.“ Der das sagt, ist 74 Jahre alt und berufen geblieben: P. Johannes Thum. In der kommenden Woche jährt sich der Jahrestag seiner Priesterweihe zum 50. Mal. Und Priester sein heißt berufen und tätig sein.

Wenn man sich mit P. Johannes unterhält, dann begegnet man einem wachen Verstand mit Sinn für Humor. Bei meinem Besuch möchte ich ihn so viel fragen, aber welche Fragen kann man einem 74-jährigen Priester zumuten? Besonders 2010, einem nicht imagefördernden Jahr für Mutter Kirche. Ich kann alles fragen, alles. Ich bekomme immer Antwort, immer. Keine Peinlichkeiten, keine peinlichen Pausen. P. Johannes hält seit 50 Jahren Beichtgespräche, dürfte schon alles gehört haben, was in Menschen wütet, sie umtreibt, zerstört oder hemmt. Ob es auch Beichten gibt, die einem Priester schwer verdaulich sind, die ihn quälen, die er mit sich herumträgt? Nicht jede Beichte ist für einen Beichtvater einfach, gibt der Franziskaner zu verstehen und am Ende dieses Satzes passiert ein Sonnenaufgang: Das Lossprechen von der Sünde ist ein schönes Erlebnis. Schön für ihn als Priester, befreiend für den nun nicht mehr Beladenen.

Der Pater muss einmal sehr sportlich gewesen sein. Verglichen mit Gleichaltrigen ist er es sicher heute noch. Was früher Wanderungen waren, sind bei dem gebürtigen Stuttgarter nun immerhin noch ausgedehnte Spaziergänge. Täglich geht er hinunter zu den unweit gelegenen St. Franziskus-Ordensschwestern, für die er um 07.00 Uhr in deren Kapelle den Gottesdienst hält. Ein arbeitsreiches Leben. Studieren, Predigten vorbereiten, Exegese, Krankenbesuche, Beichtgespräche, Exerzitien („Nicht zu verwechseln mit Exorzismus“, lacht der Pater), Taufen, Sterbende sehen, Tote beerdigen. Er mag Böll, Joseph Roth, Kafka, Döblin, Dostojewski. 

Auf dem Weg zum Franziskaner wird das fränkische Bamberg zum begünstigenden Erlebnis für den Knaben. Nachkriegszeit, Franziskaner erziehen ihn mit. „Die Mischung eines Lebens nach außen und nach innen“ habe ihn angesprochen, sagt er. Und die franziskanische Armut? Der Pater geht auf einen Aspekt ein, der sich neben der historisch begründeten Armut eher praktisch ausnimmt: Franziskanische Gemeinschaft lebt sich schwer bei ungleichen Besitzverhältnissen. Alle oder keiner.

Priesterweihe in München St. Gabriel, Primiz in Stuttgart-Stammheim, Kaplan in Bamberg, St. Heinrich, Kaplan in Nürnberg, St. Ludwig, Studium in Tübingen, wieder München, wieder Nürnberg, diesmal als Pfarrer, gelegentlich sogar als Gefängnisgeistlicher, dann Guardian der Franziskaner in Eggenfelden, später wieder in München, nun Wallfahrtsseelsorger und Spiritual in Vierzehnheiligen. Berufstätig in Bewegung. Männer Gottes müssen Zelte abbrechen können. Sechs Päpste hat P. Johannes erlebt. Einen als Student sogar persönlich, lange bevor dieser Papst wurde. In Tübingen, ein gewisser Ratzinger. Feiert man den Tag der Priesterweihe, in seinem Fall der 04. August, eigentlich wie Geburtstag? Nein, er habe ihn auch schon mal „übersehen“. Mit acht Jahren kam er ins Internat. In Erziehung Geistlicher. „Da war nie was“ , sagt er. Auch ich kannte viele Priester. Katholischen Prägung, Freizeiten, Ministrantendienst. Da war nie was. Die bekannt gewordenen Vorfälle tun ihm weh. „Aber wir müssen jetzt büßen für die Vertuschungen zugunsten des Ansehens der Kirche“ , sagt er und vielleicht lag die Betonung auf Müssen.

Den Friedhof haben die Franziskaner in Vierzehnheiligen vor der Nase. Der Städter wohnt in der Innenstadt, am Ortsrand, aber der Ordensmann hat ihn vor der Nase. Es regnete, als mir diese Frage einfiel. P. Johannes beunruhigt der Anblick nicht. Ob hier oder anderswo, man weiß doch, dass man stirbt. Ein Anderswo könnte es für ihn theoretisch noch geben. Der Provinzial entscheidet nach Prüfung, ob ein alter Baum noch mal verpflanzt werden kann. Der Provinzial der Franziskaner hat seinen Sitz in München. Er mag die Menschen am Obermain.

Kinder? Ehe? Darüber nachgedacht hat er schon. Bereut hat er seinen Schritt nie. Er würde wieder Franziskaner werden. Ganz bestimmt. Ein reiches Leben. P. Johannes Thum feiert am Sonntag als Hauptzelebrant Gottesdienst um 10.30 Uhr in der Basilika. Er würde sich freuen, wenn die Leute mit ihm zusammen Gott danken, dass er jetzt 50 Jahre lang Priester sein konnte.

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Hier wollen wir die Predigt von P. Benedikt Grimm darstellen, die er während des Festgottesdienstes für P. Johannes hielt.

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Predigt zum Priesterjubiläum 2010
Brücke zwischen Gott und den Menschen

Lieber P. Johannes,  liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

„Christus selbst ist es, der heiligt, indem er Menschen in die Sphäre Gottes hereinbringt. Als Tat seines unendlichen Erbarmens beruft er einige, in besondere Weise bei ihm zu sein und durch das Sakrament der Priesterweihe trotz aller Armseligkeit an seinem Priestertum teilzuhaben. So ist der Priester Diener dieser Heiligung, Spender seiner Geheimnisse, Brücke der Begegnung mit ihm, der Vermittlung zwischen Gott und den Menschen und zwischen den Menschen und Gott.“

Diese überaus dichte Botschaft hat Papst Benedikt XVI. am 5. Mai dieses Jahres formuliert. Es ist das Bild von der Brücke, das mich in diesem Zusammenhang besonders angesprochen hat, der Priester als Brücke und als Brückenbauer. Dieses Bild mag uns helfen, in dieser Stunde der Dankbarkeit und der Freude dem Geheimnis des Priestertums in der katholischen Kirche miteinander nachzuspüren.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben.

Brücken sind wie Freunde auf dem Weg, sie helfen dem Wanderer, Hindernisse zu überwinden, um nicht zur Aufgabe seiner Pläne gezwungen zu sein. Brücken räumen Hindernisse, Schluchten, Flüsse z. B. nicht weg, sondern sie nehmen ihnen ihre zerstörerische, trennende Kraft. Im Evangelium haben wir diese wunderbaren Worte Jesu gehört, die er zu uns allen, in besonderer Weise aber zu den Priestern spricht: Nicht mehr Knechte nenne ich euch, sondern Freunde. Oder anders gesagt: Er will unser Freund sein. Er ist unser Freund. In der berühmten sog. Johannesminne aus dem Kloster Heiligkreuztal wurde dieses Motiv auf wunderschöne Weise ins Bild gebracht. Der Apostel Johannes lehnt sein Haupt an die Brust des Herrn und Jesus legt seine Hand behutsam auf die Schulter des Apostels. Nicht mehr Knechte nenne ich euch, sondern Freunde. Freundschaft ist wie eine Brücke. Jesus greift die Erfahrung der Freundschaft auf, um daran seine Beziehung zu uns Menschen zu erläutern.

Was das bedeuten könnte? Wenn ich ganz unten bin, wenn die Einsamkeit über mir zusammenschlägt, dann brauche ich einen, der mich bei der Hand nimmt und mit Mut macht. Einen Freund wie IHN. Wenn es mich vor Tatendrang und Lebensfreude fast zerreißt und ich dabei bin, mich im Alltag aufzureiben, dann brauche ich einen Freund, der mich zurückführt in die Stille und das Schweigen. Einen Freund wie IHN. Wenn ich erschöpft bin, überfordert und krank, dann brauche ich einen, der mich wieder an eine gesunde Zukunft glauben lässt. Einen Freund wie IHN. Wenn ich daran leide, dass mich niemand versteht, und ich an Gott und der Welt zweifle, dann brauche ich einen, der seinen Arm um mich legt und an dessen Schulter ich mich ausweinen kann. Ich brauche einen Freund wie IHN. Wenn ich über andere verärgert und mit ihnen zerstritten bin, dann brauche ich einen Freund, der mich daran erinnert, wie schön Verzeihen sein kann, einen Freund wie IHN.

Wenn ich glücklich bin, weil ich spüre, dass das Leben schön ist, dann brauche ich einen. mit dem ich meine Freude teilen kann. Ich brauche einen Freund wie IHN. Wenn ich vieles in der Kirche nicht verstehe, wenn ich an ihr leide, in deren Dienst ich mich einmal großherzig gestellt habe, dann brauche ich einen, der mir sagt: Ich leide auch an ihr, weil ich sie liebe. Ja, eigentlich brauche ich immer einen Freund, der mich gelten lässt, wie ich bin, vor dem ich keine Maske aufsetzen muss und der mir sagt: Vergiss nie, der einzige Weg, einen Freund zu haben, ist, selber einer zu sein.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

nicht mehr Knechte nenne ich euch, sondern meine Freunde. Freunde sind wir, Brücken, mit denen wir Hindernisse um ihre trennende Macht bringen, mit denen wir Mauern überspringen, wie es im Psalm heißt. In den zurückliegenden Jahrzehnten hat sich das Bild des Priesters ziemlich geändert, weil sich das Bild der Kirche geändert hat, weil sich die Menschen geändert haben, weil sich die Zeiten geändert haben.  Es ärgert und langweilt mich allmählich, wenn sich die Diskussion um das Selbstverständnis des Priesters heute reduziert auf die Frage des Zölibats, also die freiwillig bejahten und gelebten Verpflichtung zur Ehelosigkeit als Bedingung für den Empfang der Weihe. Es ist dazu längst alles gesagt – fast von allen! Da sind m. E. ganz andere Gesichtspunkte von Bedeutung, die das Bild des Priesters in Zukunft prägen. In dem Gebet eines Priesters, das mich seit langem begleitet,  finde ich dazu bemerkenswert wohltuende  Gedanken:

Herr, ich weiß, dass nicht wichtig ist, ob ich ankomme, ob ich gelobt werde, ob ich Erfolg habe, ich weiß, nur eines ist wichtig: Dass ich dir nicht im Weg stehe, dass ich Werkzeug in deiner Hand bin, dass ich die Menschen nicht zu mir, sondern zu dir führe.

Solche Gedanken sind ungemein befreiend, lassen richtig durchatmen und bringen die Dinge ins Lot: Die Menschen müssen den Weg zu IHM finden, ER ist die Mitte, nicht ich. Der Priester der Zukunft weiß die Geister zu unterscheiden und ist bemüht  unabhängig zu sein vom Beifall der Welt.

Herr, bewahre mich vor dem Wahn, ich müsste die Welt retten: Sie ist schon gerettet.

Das macht die Auseinandersetzungen unter engagierten katholischen Christen mit und ohne Mitra so heftig und schwierig und ergebnislos, weil zu viele meinen, an ihrem Wesen müsse die Welt genesen. Durch SEIN heiliges Kreuz hat ER die Welt erlöst, nicht durch unsere Leistungen, durch SEINE Passion, nicht durch unsere Aktionen. Durch SEINE Wunden sind wir geheilt, nicht durch unsere pastoralen Techniken, schon gleich gar nicht durch radikal neue Strukturen. Der Priester der Zukunft weiß um die Grenzen seiner Zuständigkeit und überschätzt sich nicht. So kann er auch gelassen bleiben, wenn nicht alles so läuft, wie er es wünschen möchte.

Herr, ich bin das Fenster, du das Licht. Du kannst durch mich hindurch, was ich nicht kann. Gott, du fädelst dich ein in diese Welt durch mich armseliges, dünnes Nadelöhr hindurch. Fenster sein für das Licht Gottes, Nadelöhr sein für den Lebensfaden Gottes in seiner Welt. Was für ein schönes Bild: Gott fädelt sich ein, Gott scheint durch. Viel geistliche Not im Leben eines Priesters nimmt ihren Weg über die Selbstüberschätzung. Klerikale Macht wird zur Geltung gebracht bis hinein in das entsprechende Outfit. Wie unheilvoll hat sich in der Kirchengeschichte bereits jene Gleichsetzung von Klerus und Kirche, ja von Hierarchie und Gott ausgewirkt.

Herr, Du machst mir Mut zu der Vollmacht, die du in mich, in meine Schwäche, meine Armseligkeit gelegt hast. Der Beter erinnert an die eigentliche Macht des Priesters, die Vollmacht, im Sakrament der Versöhnung Sünden nachzulassen, im Sakrament der Eucharistie die Gaben von Brot und Wein zu wandeln in Christi Leib und Blut. Da ist nicht Stolz und Überheblichkeit gefragt, sondern Demut und eine tiefe Dankbarkeit.

Das Gebet schließt mit den Worten: Ja, Herr, Du in mir! So froh, so unverkrampft und echt wird mein Leben, wenn ich mich entschieden habe zu dir hin.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,
dieses Zukunftsbild eines Priesters kann man zumindest als Entwurf schon heute entdecken. Du, lieber Johannes, bist seit 50 Jahren einer von denen, die das gelebt haben und die so wirklich zum Fenster geworden sind für das göttliche Licht, zum Nadelöhr, durch das Gott seinen Lebensfaden in unsere Welt und in das Herz der Menschen einfädelt. So steht es uns gerade an Deinem Festtag gut an, wenn wir Gott mit Dir und für Dich unsere Dankbarkeit zeigen. Du bist eine solche Brücke, ein Brückenbauer auch, ein Freund Gottes, der immer neu die Brücke der Freundschaft stiftet zwischen Himmel und Erde errichtet. Eine kleine Geschichte, die ich sehr mag, könnte diese Gedanken zusammenfassen:

Der alte Brückenbauer

"Du hast einen schönen Beruf" , sagte das Kind zu dem alten Brückenbauer, "es muss schwer sein, Brücken zu bauen." "Wenn man es gelernt hat, ist es leicht" , sagte der alte Brückenbauer, "es ist leicht, Brücken aus Beton und Stahl zu bauen. Die anderen Brücken sind sehr viel schwieriger" , sagte er, "die baue ich in meinem Träumen." "Welche anderen Brücken?" , fragte das Kind. Der alte Brückenbauer sah das Kind nachdenklich an. Er wusste nicht, ob es ihn verstehen würde. Dann sagte er: "Ich möchte eine Brücke bauen von der Erde bis in den Himmel. Ich möchte eine Brücke der Versöhnung bauen von einem zum anderen Menschen, eine Brücke der Freundschaft von der Dunkelheit in das Licht, eine Brücke des Trostes von der Traurigkeit zur Freude. Ich möchte eine Brücke bauen von der Zeit zur Ewigkeit über alles Vergängliche hinweg." Das Kind hatte aufmerksam zugehört. Es hatte nicht alles verstanden, spürte aber, dass der alte Brückenbauer sehr bewegt war. Weil es ihm eine Freude machen wollte, sagte das Kind: "Ich schenke Dir eine Brücke." Und das Kind malte für den Brückenbauer - einen bunten Regenbogen.

Amen.


Und nun wollen wir mit ein paar Bildern noch einen Eindruck vom Gottesdienst und dem anschließenden Fest geben.

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