Gott suchen kann ich auf vielen Wegen,
finden werde ich ihn dort, wo ich liebe.  

Christa Carina Kokol

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Geistliche Impulse

Dritte Fastenpredigt in der Basilika Vierzehnheiligen

Eine Dialogpredigt zwischen einem katholischen und evangelischen Geistlichen hat es in der Basilika Vierzehnheiligen noch nicht gegeben. Bei der Fastenpredigt standen sich am vierten Fastensonntag Pfarrer Helmut Bautz und Pastoralreferent Josef Ellner, beide Kurseelsorger in Bad Staffelstein, gegenüber.

Dialogpredigt am vierten Fastensonntag

Die Gläubigen waren zunächst neugierig, dann erstaunt und schließlich begeistert von einem Gespräch, dass ohne Schärfe und humorvoll geführt wurde. Sogar der Rektor der Basilika, Pater Heribert Arens, konnte mitunter herzhaft lachen, wenn die beiden „Streithähne“ aufeinander losgingen. Im Jahr der Reformation wählte der Franziskanerpater das ökumenische Thema für alle vier Fastenpredigten.

„Ein Glück, dass du anders bist“, darum drehte sich der halbstündige Dialog in den Ellner mit leichter Ironie begann: „Helmuth, du hier, an diesem tiefkatholischen Ort und ganz in Schwarz“. Bautz konterte: „Quatsch, wir Evangelischen pflegen die Schlichtheit, schon im Gewand“. Der katholische Geistliche gab zu, dass es oft mühsam sei, sich nach dem liturgischen Kalender zu kleiden: Ob grün, violett, rot und sogar rosa, wie heute. „Denn im römischen Kragen, wir wissen ja, steckt immer ein bunter Hund“, bemerkte Ellner respektlos. Schließlich einigten sich beide auf die Formel, dass schwarz und weiß nebeneinander bestehen können, das eine werde erst durch das andere sichtbar.

Auch bei der Sprache waren sich die Kontrahenten um Einigkeit in den beiden Konfessionen bemüht. Die Dogmatik meine, sie hätte die Hochsprache des rechten Glaubens, aber sicher nicht das Mundwerk des Mannes aus Nazareth, wies Ellner in Richtung Rom. Bautz gab zu bedenken, dass 1,22 Milliarden Menschen zu führen und unter einen Hut zu bringen seien.

Dann ging es um die Angst. Ellner stellte fest, dass die Welt voller Angsthasen sei, Angst vor der Freiheit, vor dem Anderssein, vor den Fremden, oder vor den eigenen Entscheidungen. „Und mit dem Schüren dieser Ängste kann man politisch sehr erfolgreich werden, sogar Präsident“, sagte Ellner im Blick auf Amerika. Bautz bemerkte, dass das Schüren der Angst auch in der katholischen Kirche vor einiger Zeit, zum Bischof oder Kardinal führen konnte. Dann outete er sich als heimlicher Fan von Papst Franziskus, der diese alten Angst- und Machtspielchen aufdecke. „Wir sollen nicht die Angst predigen, sondern die Liebe und den Mut, der Angst entgegenzutreten und Aufbrechen und Neues wagen, zitierte er Franziskus. „Und da sind wir evangelischen an eurer Seite“, fügte Bautz hinzu.

Fastenpredigt 2017

Beide Dialogpartner suchten nach weiteren Gemeinsamkeiten der beiden Konfessionen. Beide müssten auf die Bedürfnisse des Einzelnen eingehen, wie Jesus bei seinen Massenauftritten, die im Neuen Testament beschrieben werden. Er sei auf die Bedürftigkeit der Menschen eingegangen. Auch das sollten wir tun. Nicht wegschauen sondern anpacken, egal in welcher Sprache oder Kultur uns die Bedürftigkeit begegne. Was zähle, sei die gelebte Barmherzigkeit. Wenn Gottes Gnade und Barmherzigkeit unserem Leben erst Atem geben, dann gebe es keine religiös-substanzielle Materialien, war Ellner überzeugt. „Wenn der Glaube an den menschenfreundlichen Gott das Entscheidende ist, dann braucht es kein Priestertum, kein Anspruch auf Unfehlbarkeit. Schon gar nicht eine Amtsgewalt, die an das Geschlecht gebunden ist“, stellte er fest.

„Männer an Altären werden gerne überbewertet, erst recht deren vermeintliche Heilsnotwendigkeit“, beobachtete Bautz kritisch seinen Berufsstand. „Vor allem werden dann die vielen Männer und Frauen sogar Kinder übersehen, die mit mir ihren Glauben und Erlebnisse mit Gott teilen“. Erst recht die Frauen, fügte Ellner hinzu. Mütter seien die Ersten, bei denen wir Glauben lernen. „Zum Glück darf hier heute mal die Ökumene predigen“, sagte er. Sie sei heuer quasi die Quotenfrau der Fastenpredigtreihe in Vierzehnheiligen.

Die Heiligen am Gnadenaltar nahm Pfarrer Bautz zum Anlass, über ihre Verehrung nachzudenken. Ellner bemerkte spitz: „Ich dachte Heiligenverehrung sei den ‚Evangolen‘ ein Graus“. Es gehe nicht um Verehrung, entgegnete Bautz. Ich würde es eher Würdigung und Erinnerung nennen. „Heilige sind Briefe aus der Ferne, die einem helfen, die Gegenwart zu lesen und zu erkennen“, zitierte er einen gescheiten Kopf. „Ich würde sie nicht ansprechen und um Fürbitte bitten, aber sie würdigen.


Text und Bilder: Andreas Welz

Dialogpredigt am vierten Fastensonntag in der Basilika Vierzehnheiligen