Gott suchen kann ich auf vielen Wegen,
finden werde ich ihn dort, wo ich liebe.  

Christa Carina Kokol

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Geistliche Impulse

Erste Fastenpredigt in der Basilika Vierzehnheiligen

Die Fastenpredigten in der Basilika Vierzehnheiligen widmen sich in diesem Jahr der Reformation. Das Thema der ersten Fastenpredigt von Prof. Dr. Elmar Koziel lautete: „Versöhnung, ein großes Wort und seine kleinen Münzen“.

Die erste Fastenpredigt hielt Professor Dr. Elmar Koziel, Rektor der Bildungshäuser Vierzehnheiligen

Wie wenig festgefügt eine Weltordnung ist, die vor 500 Jahren mit Martin Luther begann, machte am Sonntag Professor Dr. Elmar Koziel deutlich. Die verschiedenen Konfessionen, wie die katholische, die luthersche und die reformierte Kirche, wären ohne die Erneuerungsbewegung des 16. und 17. Jahrhunderts undenkbar. Kritisch setzte sich der Rektor der Bildungshäuser Vierzehnheiligen mit der Aussöhnung der christlichen Kirchen auseinander.

Das Thema der ersten Fastenpredigt lautete: „Versöhnung, ein großes Wort und seine kleinen Münzen“. Dr. Koziel erläuterte dazu: „Die Ökumene lebt weniger von großen Worten und machtvollen Gesten sondern vom vielfältigen kleinen Bemühen, jene christlichen Lebensarten, die in den diversen Konfessionen ihre Gestalt bekommen haben, zu verstehen und ihre Kernanliegen, aber auch das eigene, nachzuempfinden“. 

Ein solches Bemühen gehe nicht auf einen Schlag, sondern sei ein lebenslanger Prozess. Es brauche Zeit, Geduld, Einsatz, persönliche Begegnung und Gespräch. Ein solches Bemühen könne man auch nicht an andere delegieren – also nicht etwa nur an „die da oben“, sondern jeder müsse sich schon selber dran machen. „Und nicht nur ich, sondern idealer Weise sollten es die vielen anderen Christen aus anderen Konfessionen genauso halten“, unterstrich der Bamberger Domvikar. Nur so überwinde man Vorurteile. Nur so finde man wirklich im Herzen zueinander. Nur so könne man sich wechselseitig als Christenmenschen anerkennen. „Nur so schafft man einen Grundlage, die auch morgen und übermorgen überdauert“, war die Botschaft an die Gläubigen in der Basilika.

Den Rückblick auf 500 Jahre Reformation beschrieb der Geistliche mit einem Glas, das zur Hälfte gefüllt ist. Die Optimisten freuten sich über ein Glas in dem noch die Hälfte drin ist, die Kritiker bemängelten, dass es schon halb ausgetrunken sei. Die Meinungen gingen auseinander, stellte der Prediger fest. Viele seien davon überzeugt, dass seit dem Vatikanischen Konzil vor 50 Jahren viel bewegt worden ist. Anderen komme es so vor, als ob sich auf dem Feld der Ökumene die Spieler den Ball seltsam lustlos zuschieben. „Für mich sind einerseits die 500 Jahre ein Ausweis beträchtlichen Scheiterns“, gab der Geistliche zu. Andrerseits mache das Ökumenismusdekret des Konzils all das überhaupt möglich, was im mittlerweile an Positivem erreicht worden sei. „Die Versöhnung der Kirchen liegt zuletzt ein ganzes Stück weit in den Händen von uns allen“, sagte Dr. Koziel. Es reiche nie, dass es Vorreiter gebe, sondern es brauche immer auch die „Nachbereiter“.

Aus heutiger Sicht begründeten sich die Auseinandersetzungen von damals auf ein großes Missverständnis. Man habe nicht gesehen, wie man unterschiedliche Positionen nebeneinander gelten lassen könne, wie sie nebeneinander ihr Recht haben können.  Die offizielle Position der katholischen Kirche sei nach dem Vatikanischen Konzil aufgegeben worden. Danach wollte man die „Abtrünnigen“ wieder aufnehmen und in das Ganze eingliedern. Jetzt aber höre man solche Auffassungen auf vergleichbare Weise aus anderen Kirchen, stellte Dr. Koziel fest.

In jedem Fall klinge es so, als ob nur die eigene Gestalt des Christlichen berechtigt sei und die Anderen sich genau daran halten sollen. Genau das sei die Linie der erbitterten Kämpfe von früher. Man konnte und wollte nicht akzeptieren, dass die Sicht des Anderen eine christliche Möglichkeit ist, auch wenn man sie sich nicht zu eigen machen möchte. Und das müsse die Grundlage der Versöhnung sein: das Wesen und das Wesentliche der anderen Konfession zu verstehen.

Weitere Fastenpredigten in der Basilika Vierzehnheiligen finden an den Sonntagen 12., und 26. März, und am 2. April statt.

Text und Bild: Andreas Welz