Gott suchen kann ich auf vielen Wegen,
finden werde ich ihn dort, wo ich liebe.  

Christa Carina Kokol

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März 2017

Die Orgeln der Basilika Vierzehnheiligen

Orgelpfeifen

Im Jahre 1772 wurde die berühmte Rokoko-Kirche Vierzehnheiligen, Heimstatt und Zentrum der Nothelfer-Verehrung, feierlich ihrer Bestimmung übergeben. Dabei wurden anhand der Quellenlage zwei Orgeln in Auftrag gegeben: eine große, die wahrscheinlich ihren Platz auf der Westempore hatte, und eine kleine "auf dem Winkel über der kleinen Sakristei". Die kleine Orgel wurde nach Forschungen der beiden Organologen Hermann Fischer und Theodor Wohnhaas vermutlich von Ludwig Krämer aus Bamberg gebaut; die Nachrichten über die große Orgel sind ebenfalls spärlich. Nach der Säkularisation scheint die große Orgel nicht mehr existiert zu haben, denn wir wissen, daß im Jahre 1816 der Orgelbauer Anton Dressel aus Hollfeld "die kleine Orgel vom Winkel ober der Sakristei auf den Bogen innerhalb der großen Kirchentüre" versetzte, sie mit 5 neuen Registern, besonders Bässen, erweiterte, "deren Töne die weiten Hallen des Kirchengebäudes ganz ausfüllen".

Am Kunigundentag des Jahres 1835 suchte ein Unwetter die Wallfahrtskirche heim. Der Blitz schlug in den Südturm ein und schließlich brannten beide Türme sowie der Dachstuhl, die Glocken schmolzen und auch die Orgel ging in Flammen auf. Erst zehn Jahre nach dem Brand konnte man an einen Neubau der Hauptorgel denken. Im Jahre 1848 beauftragte man Augustin Bittner aus Nürnberg zum Bau des neuen Instrumentes mit 2 Manualen und Pedal. Schon neunzehn Jahre später ersuchte die Kirchenverwaltung das Bezirksamt um die Genehmigung zum Einbau einer "Bombard" in die Orgel, da "der Mangel eines großen tiefen Basses sehr fühlbar sei". Schon lange vor der Jahrhundertwende war die Orgel völlig unbrauchbar geworden.

Zu Beginn des Jahres 1893 legte die Fa. Steinmeyer in Oettingen ein Gutachten vor, in dem es heißt, die Orgel befinde sich in einem kläglichen Zustand; sie könne kaum verwendet werden, ohne den Gottesdienst zu stören! 1905 schließlich konnte ein Um- und Erweiterungsbau auf drei Manuale in Auftrag gegeben werden, den die Fa. Steinmeyer mittels der damals in Mode gekommenen pneumatischen Traktur ausführte.1951 entschloß man sich, den als überholt betrachteten romantischen Klang in neobarocker Weise "aufzuhellen"; dabei wurde die pneumatische Traktur durch eine elektrische ersetzt und die Disposition auf sechzig Register erweitert. 1976 wurde das gesamte Pfeifenwerk auf niedrigerem Winddruck umintoniert; während der großen Innenrestaurierung in den Jahren 1982-1990 sammeln sich Staub, Putzreste und Schmutz im Orgelinneren an - die Orgel wurde wiederum - neben der allgemeinen Störanfälligkeit - nahezu unbrauchbar. Als Ersatz und Übergangslösung schaffte die Kirchenverwaltung im Jahre 1986 eine fahrbare Chororgel mit 13 Registern der Fa. Eisenbarth aus Passau an, verteilt auf 2 Manualen und Pedal.

 
Orgel
 

1993 schließlich wurden fünf renommierte Orgelbaufirmen aus Deutschland, den Niederlanden und Österreich mit der Erstellung eines Angebotes zum Bau einer neuen Hauptorgel in der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen beauftragt. Das historische Gehäuse von 1848 musste laut staatlichen Angaben zufolge wiederverwendet werden. Im Jahre 1994 wurde der Orgelbauvertrag zum Bau einer viermanualigen symphonischen Großorgel, die das gewaltige Raumvolumen der Basilika zu füllen vermochte, mit der Fa. Rieger aus Schwarzach in Vorarlberg (Österreich) unterzeichnet. 1998 wurde die alte Orgel vorsichtig demontiert und in ein Orgelmuseum in der Nähe von München gebracht. Das historische Gehäuse von Bittner wurde im Montagesaal der Fa. Rieger schreinerisch ergänzt und statisch überholt, bevor man die neuen Windladen sowie die Pfeifen einpasste. Im Frühjahr 1999 war es endlich soweit: Basilikaorganist Georg Hagel selbst fuhr am Steuer eines schweren Sattelzuges die ersten Teile der neuen Orgel den Basilikaberg hinauf, wo sie am nächsten Tag entladen wurden. Die Intonationsarbeiten konnten wegen der regen Wallfahrtstätigkeit und der großen Touristenströme meist nur in der Nacht erfolgen. Am 26. September konnte das neue Instrument schließlich durch Erzbischof Dr. Karl Braun aus Bamberg in einem festlichen Gottesdienst geweiht werden; dazu erklang die Messe für zwei Orgeln und Chor von Louis Vierne (1870-1937). Am Abend dann spielte der Titularorganist von Notre Dame in Paris, Prof. Olivier Latry in der brechend vollbesetzten Kirche das erste Konzert auf der neuen Orgel mit Werken von Bach, Vierne, Eschaich und einer fulminanten Improvisation über das Vierzehnheiligenlied "Freundlich grüßt ins Maintal nieder vom Berg dies mächtig Gotteshaus". Prof. Edgar Krapp folgte eine Woche später mit einem weiteren Konzert vor ausverkauftem Haus; das Abschlußkonzert dieses "Orgel-Herbstes" spielte Basilikaorganist Georg Hagel mit Werken von Bach, Vierne, Mozart und Messiaen.

Die Orgel erklingt nahezu täglich im Gottesdienst; die eigens initiierte Konzertreihe "Orgelkonzert zum Freitagsläuten" jeden Freitag von 15.00 - 15.30 Uhr (Mai bis Oktober) bietet bei freiem Eintritt weitere Gelegenheiten, die 5000 Pfeifen der neuen Hauptorgel in all ihrem Farbenreichtum zu erleben. Vor allem die von Georg Hagel für interessierte Gruppen eingeführten "Orgelführungen" mit Vorstellung der Register am Spieltisch sowie einem Blick in das Innenleben der Orgel erfreuen sich wachsender Beliebtheit und sollen allgemein das Instrument Orgel vom Schattendasein der Emporen mehr in das Bewusstsein der Bevölkerung rücken. Zahlreiche CD-Aufnahmen mit namhaften Organisten sind bereits auf dem Markt erhältlich; eine DVD-Produktion mit Einblicken in das komplexe Innenleben, der Mechanik, der verschiedenen Pfeifen-Teilwerke sowie eine Erklärung der Registerfamilien ist in Planung...