Gott suchen kann ich auf vielen Wegen,
finden werde ich ihn dort, wo ich liebe.  

Christa Carina Kokol

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Mai 2017
Geistliche Impulse

Tobias Hartmann - der Mesner in der Basilika Vierzehnheiligen

Der 25-jährige Tobias Hartmann drapiert als Mesner in Vierzehnheiligen nicht nur Gewänder

Tobias Hartmann - Messner in Vierzehnheiligen
Tobias Hartmann - Messner in Vierzehnheiligen

„Das bisschen Kerzen anzünden und Glocken läuten“ hört man oft, wenn es um die Arbeit des Mesners geht. Doch es steckt viel mehr dahinter. Ob Mesner, Küster oder Sakristan – sie alle meinen das Gleiche: einen Dienst von unschätzbarem Wert. Denn was wäre die Kirche ohne diese emsigen Helfer im Hintergrund? Tobias Hartmann hat mit 20 Jahren den Mesnerdienst hauptamtlich in Vierzehnheiligen angetreten.

Das ist nun fünf Jahre her und er fühlt sich wohl in seiner Rolle als fleißiger Diener hinter den Kulissen: „Die Arbeit ist unglaublich vielfältig. Neben den üblichen Mesnerdiensten kümmere ich mich um die Außenanlage der Basilika. Rasenmähen gehört genauso zu meinem Job wie das Drapieren der Messgewänder. Es wird also nie langweilig.“

„Manchmal sieht man schon während des Gottesdienstes, dass jemand schwankt, und kann rechtzeitig helfen.“
Mesner Tobias Hartmann ist an heißen Tagen besonders aufmerksam

Der gelernte Mechatroniker wechselte direkt nach seiner Ausbildung von der Werkstatt ins weltliche Reich Gottes. Die meisten Mesner arbeiten im Neben- oder Ehrenamt. Diese Stelle war ein Glücksfall für Hartmann: „Mein Opa war mit Leib und Seele Mesner in unserem Heimatort. Ich habe ihm schon immer gern dabei geholfen, da ich aber für die offizielle Mesnerstelle noch zu jung war, haben wir den Dienst zuletzt gemeinsam übernommen. Zufällig blätterte ich dann in unserer Bistumszeitung und entdeckte diese Stellenanzeige. Nach einem Auswahlverfahren entschieden sie sich tatsächlich für mich. Dass das Aufgabengebiet hier so breitgefächert ist und man sozusagen für alles zuständig ist, hätte ich anfangs nicht gedacht.“

Feste Arbeitszeiten sind damit kaum machbar. „In der Hauptsaison mit ihren Wallfahrten und etlichen Gottesdiensten an einem Wochenende ist die Wochenarbeitszeit schnell erreicht, dann ist auch eine Sechs-Tage-Woche angesagt. Im Winter und der Nebensaison kann man wieder Kraft tanken“, erzählt er. Vor jedem Gottesdienst legt er in aller Ruhe der Sakristei die Messgewänder zurecht, in der Basilika ist es noch still.

Jeder Handgriff sitzt

„Jedes Gewand und jede Farbe haben ihre Bedeutung.“ Jeder Handgriff sitzt, während er die Kleidung zurechtzupft: ein rotes reichbesticktes Messgewand, die Casel, darauf die Albe, eine Art weißer Überwurf und eine passende Stola. Mit Beginn der Messe verwandelt sich die kurz vorher menschenleeren Kirche in einen Festsaal Gottes.

Vorbereitung, Ausführung und Nachbereitung von Veranstaltungen der Kirche gehören ebenso zum Arbeitsfeld Hartmanns wie das beruhigende Gespräch mit einem aufgeregten Brautpaar und das Trösten von Trauernden. Messner sind Allrounder. Der sensible Umgang mit Menschen ist genauso wichtig wie Kenntnisse in den Bereichen Erste Hilfe und Brandschutz.

Mit schwarzem Gewand und weißblondem Haar huscht er auf leisen Sohlen durch die Kirche, um auch während der Gottesdienste überall zur Stelle zu sein. „An heißen Tagen passiert es schon mal, dass gerade Wallfahrer zu wenig trinken und nach langem Stehen in der Kirche umkippen. Mittlerweile erkenne ich den Unterschied des dumpfen Schlags zwischen einem Gebetbuch oder einem Besucher, der zu Boden fällt“, verrät der Jungmesner. „Um schnell handeln zu können, haben wir Kameras in-stalliert. Manchmal sieht man schon während des Gottesdienstes, dass jemand schwankt, und kann rechtzeitig helfen.“ Doch nicht nur zur Vorbeugung solcher Situationen dient das Überwachungssystem, auch Organist Georg Hagel profitiert.

Läuten per Knopfdruck

„Die Blaskapellen der Wallfahrten stehen direkt unter der Empore. So bekommt unser Organist den Einsatz des Dirigenten ganz einfach über den Bildschirm.“ Und Hartmann bekommt seinen Einsatz über den Bildschirm in der Sakristei, wenn er per Knopfdruck die Glocken läuten muss.

Mariä Himmelfahrt steht vor der Tür. „Unsere Basilika feiert ihr Namenstagsfest, ihr Patrozinium. Neben dem Fest Vierzehnheiligen ist das ein Hochfest – und jedes Jahr aufs Neue eine Ehre für mich, dabei zu sein.“

von Sophie Röder (Obermain Tagblatt)

20.08.2016