Gott suchen kann ich auf vielen Wegen,
finden werde ich ihn dort, wo ich liebe.  

Christa Carina Kokol

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März 2017
Geistliche Impulse

50-jähriges Ordensjubiläum von Br. Paul Plank am 15.11.09

Am 13.11.09 war das eigentliche Datum des 50-jährigen Ordensjubiläums von Br. Paul Plank, das er am 15.11. zusammen mit der Kirchengemeinde von Vierzehnheiligen um 10.30 Uhr feierte. Ein Goldenes Jubelpaar war auch anwesend. So verband P. Christoph Kreitmeir, der die Hl. Messe zelebrierte und die Predigt hielt, diese beiden goldenen Jubiläen. Hier können Sie Einblick in die Lesung, das Evangelium und die Predigt bekommen.

Zuvor sehen Sie ein Bild, das Br. Paul mit Sr. Regina Pröls (Generalvikarin der St. Franziskusschwestern von Vierzehnheiligen) und Mutter Äbtissin Laetitia Fech aus Waldsassen zeigt.

 
50
 

Lesung: Aus einer Anekdote um Rainer Maria Rilke: Die Rose

Rose
 

Gemeinsam mit einer jungen Französin kam Rainer Maria Rilke um die Mittagszeit an einem Platz vorbei, an dem eine Bettlerin saß und um Geld bat. Sie hielt sich immer am gleichen Ort auf und nahm die Almosen entgegen, ohne auch nur einen Blick auf die Geber zu verschwenden.

  Rilke gab ihr nie etwas, während seine Begleiterin der Frau öfters Geld gab. Als die Französin eines Tages fragte, warum Rilke der Frau nie etwas gebe, erhielt sie zur Antwort, dass man ihrem Herzen und nicht ihrer Hand etwas schenken solle.  Einige Tage darauf brachte Rilke der Bettlerin eine schöne, frisch erblühte Rose und legte sie in die um Almosen bittende Hand. Da geschah etwas Unerwartetes: Die Bettlerin blickte zu dem Geber auf, erhob sich mühsam vom Boden und ging mit der Rose davon.

Eine Woche war die Bettlerin nicht mehr zu sehen.  

Dann saß sie wieder wie zuvor an ihrem gewohnten Platz und wandte sich weder mit einem Blick noch mit einem Wort an ihre Geber. Auf die Frage der Französin, wovon die Frau während der Zeit, in der sie keine Almosen erhalten habe, gelebt habe, antwortete Rilke: "Von der Rose"

(aus: Schöne Geschenk-Geschichten für Rosenfreunde, Herder Freiburg 1996)


Aus dem Evangelium nach Matthäus:

(Die Speisung der Fünftausend: 14,13-21)

5000
 

Eines Tages fuhr Jesus mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein. Aber die Leute in den Städten hörten davon und gingen ihm zu Fuß nach. Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen und heilte die Kranken, die bei ihnen waren.

Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen und es ist schon spät geworden. Schick doch die Menschen weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können.

Jesus antwortete: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen!

Sie sagten zu ihm: Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische bei uns. Darauf antwortete er: Bringt sie her!

Dann ordnete er an, die Leute sollten sich ins Gras setzen. Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern; die Jünger aber gaben sie den Leuten, und alle aßen und wurden satt. Als die Jünger die übrig gebliebenen Brotstücke einsammelten, wurden zwölf Körbe voll. Es waren etwa fünftausend Männer, die an dem Mahl teilnahmen, dazu noch Frauen und Kinder.



Predigt zum 50. Ordensjubiläum von Br. Paul Plank

 ( Lesung: Die Rose – R.M. Rilke; Evangelium: Mt 14,13-21)


Ein Fremder kommt in den Ort. Alle gehen hin und plötzlich werden aus fünf Broten und zwei Fischen 5000 Menschen satt. Was für eine wunderbare Geschichte, die wir gerade gehört haben.

Da kommt jemand, von dem die Menschen schon einiges an Wunderlichem gehört haben und sie machen sich auf, um ihn zu sehen. Viele Menschen kommen dorthin. Und dann? Grundbedürfnisse müssen gestillt werden, klar, irgendwann haben alle Hunger und Durst…

Jesus nutzt das Grundbedürfnis der Menschen nach Essen, um den Glauben seiner Jünger zu prüfen. Da sind nur wenige Brote und Fi-sche – und Jesus? Der nimmt diese wenigen Teile und dankt! Dann gibt er sie ihnen und alle werden satt! Jesus aber sorgt sich sogar noch um die Reste, die sollen nicht umkommen.

Und die Jünger? Die scheinen die Sache eher pragmatisch anzugehen, rechnen, kalkulieren. Das kennen wir sicher auch: Reicht das für alle? Können wir uns das leisten? Aber die Anhänger Jesu lassen sich auch schnell eines besseren belehren!

Ich möchte diese Geschichte und die bekannte Geschichte von der Rose, die uns Rainer Maria Rilke geschenkt hat, zum Anlass nehmen, Menschen zu danken, die sich eines Besseren belehren lassen: Unser Brautpaar, das seine Goldene Hochzeit feiert und vor allem unser Bruder Paul, der heute sein Goldenes Ordensjubiläum begeht.

Bruder Paul, wir können nur erahnen, mit wie vielen Menschen du in diesen 50 Ordensjahren zu tun hattest, als Schreiner, als Gebetsgruppenleiter, als Volksmissionar, als Pförtner an den verschiedensten Orten in Bayern. Wir können nur erahnen, wie viel Trost und weiter reichende Nahrung du durch deinen Glauben an Jesus, den Herrn, geben konntest… Du bist wie die Jünger Jesu ein realistischer Mensch, du bist aber durch Gottes Wirken an Dir ein spiritueller Mensch geworden, der durch seinen Einsatz für andere auf Jesus und auf Gott hinweist. Auch das Beispiel unseres Goldpaares zeigt uns, dass 50 Jahre Ehe nicht nur mit eigener Kraft, sondern v. a. mit Gottes Hilfe gemeistert werden können.

Wir alles wissen es: Menschen leben nicht nur vom Brot allein, Menschen leben von guten Worte, liebenden Gesten, von Sinn und Glauben. Menschen leben vor allem aus der Kraft der Liebe.

Die Geschichte von Rainer Maria Rilke zeigt uns dies sehr gut: Er sagte zu seiner Begleiterin angesichts der Bettlerin: „Wir müssten ihrem Herzen schenken, nicht ihrer Hand.“

Wenige Tage später brachte er eine eben aufgeblühte weiße Rose mit,  legte sie in die offene, abgezehrte Hand der Bettlerin und wollte weitergehen. Da geschah das Unterwartete: Die Bettlerin blickte auf, sah den Geber, erhob sich mühsam von der Erde, tastete nach der Hand des fremden Mannes, küsste sie und ging mit der Rose davon.

Eine Woche lang war die Alte verschwunden; der Platz, an dem sie vorher gesessen hatte, blieb leer. Nach acht Tagen saß sie wieder wie früher ab der gewohnten Stelle. Sie war stumm wie damals, wiederum nur ihre Bedürftigkeit zeigend durch die ausgestreckte Hand. „Aber wovon hat sie denn in all den Tagen gelebt?“ fragte die Französin. Rilke antwortete: „Von der Rose.“

Acht Tage lebte die Bettlerin von der Rose. Sicherlich nicht wörtlich, nicht wirklich, aber doch um so viel intensiver, wie es scheint, konnte die Rose ihr Sättigung geben, als es je ein Stück Brot hätte tun können, das sie sich von den Münzen der Französin hat kaufen können. 

Rilke hat in dieser Geschichte verstanden, was Jesus, viele Jahrhunderte vorher predigte, und was uns in der Bibel heute überliefert ist: „Wir müssten ihrem Herzen schenken, nicht ihrer Hand.“ Jesus prüfte am See Tiberias seine Jünger, ob sie das verstanden hätten. Und er muss an ihren Kalkulationen erkennen, dass sie nicht verinnerlicht haben, was er schon oft zu ihnen gesagt hatte und was er ihnen auch weiterhin predigen würde. Sie hatten noch nicht verstanden, dass er das „Brot des Lebens“ ist, dass er den Menschen eine Stärkung sein will.

Die wenigsten von uns hier heute müssen hungern – Gott sei Dank! Aber wir haben Hunger, nach Liebe, Hunger nach Vergebung, vielleicht auch nach Gemeinschaft, nach Anerkennung oder auch nach einer gemeinsamen Zeit mit den Menschen, die wir lieben. Ich habe bestimmt nicht alle Bereiche genannt. Wonach es sie ganz persönlich hungert, das spürt jeder von uns persönlich und kann es vor Gott bringen in dieser heiligen Messe.

Aber es ist so oft das Herz, das nach Sättigung sucht, das Herz, das beschenkt werden will, wie es Rainer Maria Rilke bei der Bettlerin sah und ihr dann die Rose schenkte. Jesus Christus weiß dies ebenfalls und auf eine intensive Weise, die ihres Gleichen sucht. Jesus weiß das als Mensch, aber er kann die Herzen der Menschen beschenken als Gottes Sohn. Das Brot, das er uns als wahrer Mensch und wahrer Gott zugleich geben kann, ist nicht aus Mehl gebacken. Es ist sein Leben selbst, das er den Menschen schenkt, mit dem er als „Brot des Lebens“ die Herzen der Menschen sättigen möchte.

Am Ende der Geschichte von der Bettlerin sitzt sie wieder da, die Hand wieder ausgestreckt, doch nicht mehr die Selbe wie vorher…acht Tage lang hatte sie zehren können vom Geschenk der weißen Rose.

Auch die Menschen am See Tiberias werden wieder Hunger bekommen nach dem gemeinsamen Mahl, doch auch sie sind nicht mehr wie vorher…sie haben Jesus erkannt, als Prophet und wollen ihn zum König machen. Doch Jesus zieht sich zurück. Er will nicht angebetet werden als König, der herausgehoben wird aus dem Leben der Menschen. Jesus will nicht in einen Palast gesetzt werden, der ihm den Blick in die Herzen der Menschen versagt. Da passt er nicht hin. Deshalb muss er sich zurückziehen, damit die Menschen merken, dass er in der Liebe zueinander ganz nah sein will, dass seine Herrschaft ein Regime der Herzen sein will. Und er zieht sich zurück, damit die Menschen merken, dass es eben nicht geht, ohne ihr Zutun. Dass sie verantwortlich sind dafür, dass der Blick in die Herzen nicht folgenlos bleibt, sondern in ihrem Miteinander Gott einen Platz in dieser Welt haben kann. Mittendrin, nicht in einem Palast.

Wer an Jesus Christus glaubt, der wird nicht unweigerlich ein anderer Mensch…aber er ist auch nicht mehr Derselbe. Wenn wir Jesus Christus in unsere Herzen blicken lassen und bereit sind von ihm die Sättigung zu empfangen, die nicht mit Mehl zu backen ist, dann können Rosen blühen und Lieder klingen. Dann kommt die Liebe in die Welt. Wenn wir Jesus Christus in unsere Herzen blicken lassen, dann kommt die Liebe Gottes in die Welt und mit einem jeden von uns zu allen Menschen, um den Hunger zu stillen nach dem, was nicht mit Mehl gebacken werden kann.

Liebes Jubelpaar, lieber Bruder Paul. Ich möchte mich herzlich für Ihr, für Dein Beispiel bedanken. Ein Beispiel der Treue, des Vertrauens und der Liebe. Ein Beispiel dafür, dass Gott mit uns allen – wenn wir ihn nur lassen – aus Wenigem ganz viel Gutes machen kann.

Und so möchte ich Ihnen ein kleines Geschenk überreichen, das sie über diesen Tag hinaus an diese Stunde erinnern soll und Ihnen Nahrung für lange Zeit geben will. Die eigentliche Nahrung aber ist und bleibt Jesus, der Heiland der Seelen und der Erlöser der Welt. Amen.



Zum Bedenken: Nicht für Geld


Die Größe eines Berufes besteht vielleicht vor allem darin, dass er Menschen vereinigt. Es gibt nur einen echten Luxus, das sind die menschlichen Beziehungen. Arbeiten wir nur für materiellen Gewinn, so bauen wir uns selbst ein Gefängnis. Wir schließen uns darin ein, einsam mit unserem Geld von Asche, das uns nichts verschaffen kann, was das Leben lebenswert macht. Wenn ich unter meinen Erinnerungen die heraussuche, die ihren köstlichen Geschmack behalten haben, wenn ich die Bilanz der Stunden mache, die in meinem Leben gezählt haben, dann sind es mit Sicherheit solche, die mir kein Vermögen der Welt verschafft hätte. Die Freundschaft eines Gefährten kann man nicht kaufen, mit dem gemeinsam bestandene Prüfungen einen für immer verbinden. Dieser Nachtflug und seine hunderttausend Sterne, die lichte Heiterkeit, die Erhobenheit einiger Stunden lassen sich für Geld nicht kaufen.


(Antoine de Saint-Exupéry, Wind, Sand und Sterne.)