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Fastenpredigt am 1. Fastensonntag

Guardian Pater Maximilian war Fastenprediger am vergangenen Sonntagnachmittag bei der fastenzeitlichen Vesper in der Basilika Vierzehnheiligen.
Datum:
Veröffentlicht: 22.2.26
Von:
Daniel Reitz

In der Basilika Vierzehnheiligen stehen die kommenden Wochen ganz im Zeichen der Reihe „Passionslieder und ihre Geschichte“. Die Fastenzeit lädt dazu ein, den Blick neu und bewusst auf Jesus zu richten – im mitfühlenden Nachdenken über sein Leiden und in der inneren Vorbereitung auf das Osterfest. Gerade Passionslieder mit ihren eindringlichen Texten und vertrauten Melodien, können dabei zu geistlichen Wegbegleitern werden.

Den Auftakt der diesjährigen Fastenpredigten gestaltete am Sonntagnachmittag Guardian Pater Maximilian Wagner. Im Mittelpunkt stand das Lied aus dem Gotteslob „Ich sehe dich, o Jesus, schweigen“ (GL 779). Es greift zentrale Motive des Leidensweges Christi auf und führt mitten hinein in das Geschehen der Passion. Passionslieder thematisieren Jesu Weg vom letzten Abendmahl bis zu seinem Tod am Kreuz. Sie laden die Gläubigen ein, auf Christus zu schauen und ihn um Vergebung zu bitten für das, was menschliche Schuld und Sünde ihm auferlegt haben. In diesem Zusammenhang stellte Pater Maximilian den Kreuzweg in den Mittelpunkt – jene Andachtsform, in der in 14 Stationen Jesu Weg von der Verurteilung durch Pontius Pilatus bis zur Kreuzigung und Grablegung betrachtet wird. Historisch führt dieser Weg nach Jerusalem. Vom Palast des Pilatus bis hinauf nach Golgota trug Jesus den Kreuzesbalken. In Jerusalem wird dieser Leidensweg bis heute „Via dolorosa“, die schmerzensreiche Straße, genannt. Der Tradition zufolge soll Maria nach der Auferstehung ihres Sohnes täglich diesen Weg gegangen sein. Ab dem 4. Jahrhundert nahmen Pilgerfahrten ins Heilige Land zu; Kapellen und Gedenksteine markierten einzelne Stationen. Manche Elemente – etwa die dreimaligen Stürze Jesu – entstammen der gewachsenen Frömmigkeitstradition, auch wenn sie in den Evangelien nicht ausdrücklich erwähnt werden. Im 16. Jahrhundert verbreiteten insbesondere die Franziskaner die Kreuzwegandacht in vielen Ländern Europas. Da nur wenige Gläubige ins Heilige Land reisen konnten, entstanden auch hierzulande Kalvarienberge und Kreuzwege. Seit dem 18. Jahrhundert gehört der Kreuzweg mit seinen 14 Stationen zur festen Ausstattung nahezu jeder katholischen Kirche. Doch warum beten Christen den Kreuzweg? Pater Maximilian erinnerte an das Wort Jesu: „Wer mir nachfolgen will, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ Der Kreuzweg sei Einladung, die eigenen Lasten im Licht des Leidens Christi zu betrachten. Wer sein persönliches Kreuz mit dem Kreuz Jesu verbinde, dürfe auf Trost und Sinn hoffen. Zugleich werde im Gebet Raum geschaffen für die Sorgen anderer Menschen und für die Nöte der Welt. Im Leiden Jesu, so der Prediger, werde die Grundmelodie seines Lebens sichtbar: Gott ist in Jesus Mensch geworden und hat den Weg der Menschen bis in Schmerz und Tod konsequent mitvollzogen. Sein Wort „Es ist vollbracht“ zeige die Vollendung dieses Heilsweges. Manche Theologen sprechen daher davon, die Evangelien seien im Kern Passionserzählungen mit einer langen Einleitung. Anhand des Liedes „Ich sehe dich, o Jesus, schweigen“ führte Pater Maximilian durch die einzelnen Stationen und verband sie jeweils mit biblischen Texten. Sein Anliegen war es, die Herzen zu öffnen und zu einer vertieften Beziehung zu Christus einzuladen.

Die nächste Fastenpredigt der Reihe findet am Sonntag, 1. März, um 14 Uhr statt. Wortgottesdienstleiter Michael Magner aus Coburg stellt dann das bekannte Passionslied „O Haupt voll Blut und Wunden“ (GL 289) in den Mittelpunkt.