Fastenpredigt am 3. Fastensonntag

Die Worte eines fast 400 Jahre alten Kirchenliedes standen am Sonntagnachmittag im Mittelpunkt der Fastenpredigtreihe „Passionslieder und ihre Geschichte“ in der Basilika Vierzehnheiligen. Sebastian Heim, Pfarrvikar im Seelsorgebereich Main-Itz mit Dienstsitz in Kemmern, widmete sich in seiner Predigt dem Passionslied „Herzliebster Jesu“ (GL 290) und seiner bis heute aktuellen Botschaft. Zu Beginn nahm der Geistliche die Zuhörer mit in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Krieg, Krankheit, Flucht und Angst prägten damals den Alltag vieler Menschen. In dieser Situation lebte der schlesische Pfarrer Johann Heermann, der 1630 das Lied „Herzliebster Jesu“ schrieb. „Es ist kein triumphales Lied und es gibt keine schnellen Antworten“, betonte der Pfarrvikar. Vielmehr stelle das Lied eine schmerzliche Frage: „Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen?“ – die Frage nach dem Leiden des Unschuldigen. Diese Frage sei auch heute noch aktuell. Nachrichten über Kriege, Gewalt und Angst prägten erneut den Alltag vieler Menschen. Familien bangten um ihre Sicherheit, und immer wieder stehe die Frage im Raum: „Warum geschieht das alles? Warum müssen Menschen leiden?“ Das Lied führe die Gläubigen gedanklich unter das Kreuz, erklärte der Prediger. „Dort steht ein Mensch, der nicht zurückschlägt, nicht hasst und keine Vergeltung fordert“. Jesus antworte auf Leid nicht mit Gewalt, sondern mit Liebe. Darin liege eine radikale Gegenbewegung zu den Mechanismen der Welt, in der Schuld oft mit Gegenschuld und Gewalt mit Gegengewalt beantwortet werde. Ein zentraler Satz des Liedes laute: „Ich, ich und meine Sünden …“. Damit verschiebe sich der Blick weg von den Fehlern anderer hin zur eigener Verantwortung. „Das Böse beginnt nicht nur irgendwo in der Welt, sondern auch im Herzen jedes Menschen“, sagte der Geistliche. Gerade deshalb sei Jesus den Menschen nahe. „Er kommt mitten in unsere Wirklichkeit hinein – nicht als ferne Erklärung für Leid, sondern als Begleiter.“ Johann Heermann habe das Lied nicht geschrieben, weil er alle Antworten gehabt habe, sondern weil er selbst Hoffnung gebraucht habe. Trotz aller Not, habe er Jesus „Herzliebster“ genannt. Für den Pfarrvikar liegt darin die bleibende Kraft des Liedes. „Jesus überzeugt bis heute nicht durch Macht oder Stärke, sondern durch etwas Schwierigeres: durch Liebe, die selbst im Leiden bestehen bleibt.“ Eine Liebe, die vergebe, während sie verletzt werde, und treu bleibe, wenn andere davonliefen. Auch für die Gegenwart habe das Lied eine Botschaft. Zwar lebten die Menschen heute nicht mehr im Dreißigjährigen Krieg, doch viele kennen ihre eigenen Kämpfe: Stress, Einsamkeit, Versagensängste oder Schuldgefühle. Genau in diese Erfahrungen hinein spreche das Lied. Es lade dazu ein, ehrlich zu sein und darauf zu vertrauen, dass Gott das Leben und den Schmerz der Menschen kenne und bei ihnen bleibe. Am Ende bleibe das Bild des leidenden Menschen am Kreuz. Doch gerade darin erkenne das Lied eine Liebe, die stärker sei als Hass und Gewalt. „Dieses Lied lädt uns ein, nicht perfekt sein zu müssen, sondern Vertrauen zu wagen“, sagte Sebastian Heim. Seit fast 400 Jahren berühre „Herzliebster Jesu“ deshalb die Herzen vieler Menschen. „Und wenn dieses Lied heute noch etwas in uns bewegt, dann hat es genau das getan, wofür es geschrieben wurde – Herzen berühren“, so Pfarrvikar Heim zum Schluss.
Die Reihe „Passionslieder und ihre Geschichte“ wird am Sonntag, 15. März, um 14 Uhr in der Basilika Vierzehnheiligen fortgesetzt.
Dann geht Dr. Susanne Pauser aus Coburg, Wortgottesdienstleiterin und Vorständin im Deutscher Caritas-Verband,
auf das Passionslied „Aus tiefer Not“ (GL 277) ein.