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Fränkisches Passionssingen

Die „Kronicher Maala“, die ihre Lieder, wie die anderen Musikanten auch, allesamt im fränkischen Dialekt sangen.
Datum:
Veröffentlicht: 22.3.26
Von:
Daniel Reitz

Das traditionelle Passionsingen in der Basilika Vierzehnheiligen wurde erneut zu einem eindrucksvollen Erlebnis fränkischer Kultur und gelebter Frömmigkeit. Die besondere Andacht in der Fastenzeit verbindet seit Generationen musikalisches Brauchtum mit religiöser Besinnung und ist fester Bestandteil regionaler Identität. Zur „Fränkischen Passion“ hatten am Sonntagnachmittag die Basilika Vierzehnheiligen, der Bayerische Landesverein für Heimatpflege sowie die Arbeitsgemeinschaft Fränkische Volksmusik im Bezirk Oberfranken eingeladen.

In bewusst schlichter Atmosphäre – die Orgel schwieg – gestalteten drei Musikgruppen den Nachmittag mit Gesang, Instrumentalmusik und einfühlsamen Texten. Inhaltlich spannten sie den Bogen vom letzten Abendmahl bis zur Kreuzigung Jesu Christi. Immer wieder wurden die Besucher aktiv einbezogen und stimmten die bekannte Kirchenlieder, begleitet vom Kemmärä Kuckuck, „Beim letzten Abendmahle“, „O Haupt voll Blut und Wunden“ und „Jesu, dir leb ich“ an. So entstand eine dichte, gemeinschaftliche Atmosphäre, in der Musik und Andacht auf eindrucksvolle Weise miteinander verschmolzen. Guardian Pater Maximilian begrüßte die zahlreichen Gläubigen und stimmte sie auf die vorösterliche Passionszeit ein. Einen besonderen Akzent setzte Marion Töppke mit ihren Texten in fränkischer Mundart. Eindringlich und zugleich feinfühlig schilderte sie zentrale Stationen der Leidensgeschichte – vom „Abendmahl“ über „Jesus will net allaa sei“, zum „Urteil“, zum „Pilatus“ bis hin zum „Grausame Spiel“. In ihrem Dialektvortrag gewann die biblische Erzählung an unmittelbarer Nähe und berührte die Zuhörer spürbar. Musikalisch überzeugten der „Graatzer Dreigesang“, die „Kronicher Maala“ unter der Leitung von Monika Tschernitschek sowie die „Kemmärä Kuckuck“ mit ihrem Leiter Hans-Dieter Ruß. Mit Akkordeon, Kontrabass, Hackbrett und Mandoline schufen sie einen stimmungsvollen Klang, der die einzelnen Passionsstationen eindrucksvoll miteinander verband. Die Wurzeln der Gruppe „Kemmärä Kuckuck“ reichen bis ins Jahr 1986 zurück, als Mitglieder der Trachtengruppe Kemmern die Formation gründeten. Das Passionsingen verdeutlichte einmal mehr, wie eng in Franken Volksmusik, Dialekt und Glaube miteinander verwoben sind. Es steht für die Pflege überlieferter Lieder, die Bewahrung regionaler Sprache und das bewusste Weitertragen von Tradition. Die rund 75 Minuten hinterließen einen bleibenden Eindruck.

Viele Besucher zeigten sich tief bewegt und dankbar für diese besondere Form der Andacht. Nach dem abschließenden Segen von Pater Maximilian fiel die Resonanz durchweg positiv aus. Für zahlreiche Gäste stand bereits fest: Auch beim Mariensingen im Mai werden sie wieder in die Basilika zurückkehren. Ein Nachmittag, der nicht nur musikalisch überzeugte, sondern noch lange nachwirkt.