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90. Geburtstag von Pater Johannes

Pater Johannes zelebrierte an seinem Geburtstag den Gottesdienst am Gnadenaltar der Wallfahrtsbasilika in Vierzehnheiligen.
Datum:
Veröffentlicht: 24.5.26
Von:
Daniel Reitz

Es ist ein stiller, aber eindrucksvoller Moment: In der Basilika, die viele als „fränkisches Bethlehem“ bezeichnen, steht Pater Johannes am Altar – ruhig, konzentriert, ganz in seinem Element. Am vergangenen Mittwoch feierte er hier seinen 90. Geburtstag, nicht mit großem Empfang, sondern so, wie es zu ihm passt: mit einem Gottesdienst, den er selbst zelebrierte.

Zu den Gratulanten zählten Guardian Pater Maximilian, seine Mitbrüder sowie Pfarrvikar Lijoy vom Seelsorgebereich Gottesgarten und der Erste Bürgermeister Mario Schönwald, die dem Jubilar persönliche Glück- und Segenswünsche überbrachten. „Solange ich kann, will ich meinen Dienst tun“, sagt er mit einem leichten Lächeln. Eine größere Feier soll zu einem späteren Zeitpunkt folgen. Johannes Thum gehört zu jenen Persönlichkeiten, deren Lebensweg untrennbar mit ihrem Glauben verbunden ist. Geboren in Stuttgart-Stammheim als drittes von vier Kindern, wuchs er in einer Zeit auf, die von Krieg und Unsicherheit geprägt war. Die Erinnerungen an Evakuierung und Schulunterbrechungen sind geblieben – und vielleicht auch jene innere Festigkeit, die ihn später seinen Weg so konsequent gehen ließ. Schon früh zeichnete sich seine Zielstrebigkeit ab. Nach dem Abitur in Bamberg trat er 1954 in den Franziskanerorden ein. Es folgten intensive Studienjahre in München, geprägt von Disziplin, Neugier und einem wachen Geist. Mit der Priesterweihe 1960 durch Kardinal Julius Döpfner begann sein seelsorgerischer Dienst – ein Weg, den er über Jahrzehnte mit großer Beständigkeit ging. 2020 konnte er auf 60 Jahre im priesterlichen Dienst zurückblicken und feierte dieses Jubiläum auf dem „heiligen Berg“ in Vierzehnheiligen. Wer ihn aus dieser Zeit kennt, erinnert sich an einen jungen Kaplan, der nicht nur predigte, sondern zuhörte – geduldig, aufmerksam, zugewandt. Auch wissenschaftlich zeigte das Geburttagskind bemerkenswerten Ehrgeiz: In Tübingen vertiefte er sich in orientalische Sprachen wie Aramäisch und Arabisch. Doch am Ende entschied er sich bewusst gegen die akademische Laufbahn und für die Menschen. „Die Seelsorge war immer mein eigentlicher Platz“, ließ er später einmal anklingen. Über Jahrzehnte hinweg prägte er Gemeinden in Bayern – als Kaplan, Pfarrer und Guardian. Besonders in München und Nürnberg hinterließ er Spuren, nicht laut oder spektakulär, sondern durch Verlässlichkeit, Struktur und ein feines Gespür für die Anliegen der Menschen. Innerhalb des Ordens wurde ihm großes Vertrauen entgegengebracht, was sich in mehreren Leitungsämtern widerspiegelte. Auch nach seinem Rückzug aus der Ordensleitung blieb Stillstand für ihn ein Fremdwort. In Vierzehnheiligen widmete er sich der Wallfahrtsseelsorge und begleitete Franziskusschwestern geistlich. Bis heute hält er regelmäßig Gottesdienste – und wer ihn erlebt, spürt schnell: Hier steht jemand, für den Beruf und Berufung nie getrennt waren.

Neben all dem Engagement ist es oft das Unscheinbare, das ihn auszeichnet. Sorgfältig führt er die Hauschronik, kümmert sich um Bücher und Archiv – Aufgaben, die Geduld verlangen und Liebe zum Detail. Vielleicht sind es genau diese Eigenschaften, die sein Leben am treffendsten beschreiben: Beständigkeit, Hingabe und eine leise, aber beeindruckende Präsenz. Mit 90 Jahren ist Pater Johannes kein Mann der großen Worte. Aber einer, dessen Lebenswerk für sich spricht.