Friedens- und Soldatenwallfahrt 2026

Bei strahlendem Sonnenschein machten sich am Sonntagmorgen zahlreiche Reservisten, Soldatenkameradschaften und Pilger auf den Weg zur Basilika Vierzehnheiligen. Fahnenabordnungen säumten den Zug und verliehen der traditionsreichen Wallfahrt ein eindrucksvolles Bild.
Seit 1957 wird sie jährlich am ersten Sonntag im Mai begangen – ursprünglich von Kriegsheimkehrern aus Dankbarkeit initiiert, ist sie heute ein lebendiges Zeichen des Erinnerns und zugleich Mahnung für Gegenwart und Zukunft. Am Fuße der Treppe wurden die Teilnehmer von Pater Werner und Kirchenschweizer Daniel Reitz empfangen und gemeinsam in die Basilika geleitet. Der feierliche Gottesdienst, zelebriert von Pater Werner und musikalisch begleitet von Hauptmann der Reserve Georg Hagel an der Orgel, machte deutlich: Diese Wallfahrt vereint Glauben, Geschichte und gesellschaftliche Verantwortung auf besondere Weise. Im Anschluss versammelten sich die Teilnehmer am Ehrenmal zur Gedenkfeier. Oberstabsfeldwebel Robert Fischer vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, erinnerte in seiner Ansprache daran, dass fast sieben Jahrzehnte des gemeinsamen Gedenkens weit über das Erinnern an Gefallene und Vermisste hinausgehen. Frieden sei kein dauerhafter Zustand, sondern müsse immer wieder neu gesichert werden. Die Festrede der Bundestagsabgeordneten Emmi Zeulner, griff diesen Gedanken auf und spannte den Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart. Sie machte deutlich, dass die freiheitliche Ordnung Deutschlands aus den bitteren Erfahrungen von Krieg und Zerstörung entstanden sei. Besonders die Präambel der Bayerischen Verfassung wurde als mahnendes Beispiel angeführt: Eine Gesellschaft ohne Werte wie Gewissen, Gottesbezug und Achtung der Menschenwürde führe unweigerlich in die Katastrophe. Frieden, so die Botschaft, sei kein Zustand, der von allein entstehe, sondern eine dauerhafte Aufgabe. Er müsse geschützt, bewahrt und aktiv gestaltet werden. In diesem Zusammenhang wurde der Dienst von Soldatinnen und Soldaten gewürdigt, die sich auf Grundlage von Recht, Gewissen und Menschlichkeit für den Schutz des Landes einsetzen. Ihr Auftrag sei jedoch von einer tiefen inneren Spannung geprägt: der Notwendigkeit, im Ernstfall kämpfen zu müssen, um Leben und Freiheit zu verteidigen. Mit Blick auf aktuelle Entwicklungen, insbesondere den Krieg in der Ukraine, unterstrich Zeulner die Zerbrechlichkeit von Frieden und Recht. Wo Regeln missachtet werden, setze sich das „Recht des Stärkeren“ durch. Politik trage daher die Verantwortung, Konflikte friedlich zu lösen und die Ordnung zu bewahren – andernfalls müssten Soldatinnen und Soldaten die Konsequenzen tragen. Die Wallfahrt wurde als Ort beschrieben, an dem äußere Pflichterfüllung und inneres Ringen zusammenkommen. Sie gebe Raum für Zweifel, Fragen und Hoffnung. Der Glaube könne dabei eine tragende Kraft sein, insbesondere im Umgang mit moralischen Konflikten. Abschließend betonte Emmi Zeulner, dass die Werte der Verfassung – Frieden, Menschlichkeit und Recht – ein Vermächtnis seien, das aktiv gelebt und geschützt werden müsse. Nur so könne verhindert werden, dass sich die Fehler der Vergangenheit wiederholen. Zum Abschluss der Gedenkfeier wurde unter den Klängen des „Guten Kameraden“ und dreifachem Kanonendonner ein Kranz niedergelegt.
Nach der Nationalhymne, gespielt vom Musikverein Burgkunstadt, setzte sich der Rückmarsch in Bewegung – begleitet vom Trommlerzug der Soldatenkameradschaft Wallenfels, der Fahnenabordnungen und den Standarten. Ein würdiger Tag, der Erinnerung lebendig hält und zugleich den Blick nach vorn richtet: als eindringliche Mahnung, Frieden nicht als selbstverständlich hinzunehmen, sondern ihn aktiv zu bewahren.