Mattenkapitel der Franziskaner, Minoriten und Kapuziner in Vierzehnheiligen

Vierzehnheiligen: Im Diözesanhaus im „fränkischen Bethlehem“ trafen sich rund 70 Franziskaner, Minoriten und Kapuziner aus ganz Europa und darüber hinaus zu einem intensiven viertägigen Austausch. Brüder aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Irland, Albanien und sogar Peru kamen zusammen, um unter dem Leitwort „Die Welt ist unser Kloster – Signaturen unserer Zeit“ über die Herausforderungen der Gegenwart nachzudenken und neue Perspektiven für ihr gemeinsames Leben und Wirken zu entwickeln. Die Teilnehmenden setzten sich mit den prägenden Entwicklungen unserer Zeit auseinander: dem Rückgang der Ordensgemeinschaften, den weltweiten Konflikten, der zunehmenden Digitalisierung sowie den Gefährdungen demokratischer Strukturen und den Anforderungen einer sozial-ökologischen Transformation. Diese Themen wurden aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet und in vielfältigen Formaten vertieft. Ein Schwerpunkt lag auf dem sogenannten „Gespräch im Heiligen Geist“, einer Methode synodaler Entscheidungsfindung. In diesem geistlichen Austausch reflektierten die Brüder ihre aktuellen Krisen und suchten gemeinsam nach tragfähigen Wegen für die Zukunft ihres Ordenslebens. Einen bewegenden Einblick in die Realität eines Krisengebiets gab Bischof Stanislaw Schyrokoradjuk aus der ukrainischen Diözese Odessa. Er schilderte eindrücklich den Alltag der Menschen im Krieg und den Umgang mit der ständigen Bedrohung durch Drohnenangriffe. Gemeinsam mit den Teilnehmern feierte er zudem einen festlichen Gottesdienst in der Basilika Vierzehnheiligen. Neben den inhaltlichen Impulsen bot das Treffen auch Raum für Begegnung und gemeinsames Erleben. Ein geselliger Abend im Garten der Franziskusschwestern mit regionalen Spezialitäten, stärkte die Gemeinschaft. Exkursionen führten die Brüder unter anderem ins Rathaus von Bad Staffelstein, in ein kleines Brauhaus in Nedensdorf sowie in den Naturwald rund um Vierzehnheiligen. Politische Einblicke vermittelte die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner, die ausführlich über aktuelle Herausforderungen in der Bundespolitik sprach. Einen modernen Zugang zur Glaubensvermittlung präsentierte Bruder Lukas Bowing aus der Benediktinerabtei Nütschau. Mit seinen Aktivitäten auf Instagram, TikTok und im Podcast „Mönch, ärgere dich nicht“, zeigte er, wie Kirche Menschen heute über soziale Medien erreichen kann. Für einen besonderen kulturellen Akzent sorgte Pater Sandesh Manuel aus Wien, der mit selbst komponierten Liedern einen musikalischen Abend gestaltete. Die gemeinsamen Gebetszeiten und Mahlzeiten boten zusätzliche Gelegenheiten zum Austausch und zur Vertiefung der Gemeinschaft. Begleitet von strahlendem Sommerwetter wurde das Treffen im „Gottesgarten am Obermain“ für alle Beteiligten zu einer bereichernden Erfahrung, die neue Impulse für den Alltag in den jeweiligen Gemeinschaften mit auf den Weg gab.