Tiersegung zum Franziskusfest

Rund um die Basilika Vierzehnheiligen wurde es am Nachmittag des 3. Oktober wieder lebendig: Zahlreiche Tierhalter kamen mit ihren vierbeinigen Begleitern auf den „Heiligen Berg“, um an der traditionellen Tiersegnung teilzunehmen. Die von den Franziskanern gestaltete Andacht zieht Jahr für Jahr Gläubige aus der Region an und verbindet auf eindrucksvolle Weise gelebten Glauben mit der Verantwortung für Natur und Mitgeschöpfe. Im Mittelpunkt der Feier stand das Vorbild des heiligen Franz von Assisi, dessen denken bis heute prägend ist. Bereits im 13. Jahrhundert stellte er die Achtung vor allen Lebewesen und die Verantwortung des Menschen für die Schöpfung in den Mittelpunkt seines Wirkens. Diese Haltung spiegelt sich auch in der Tiersegnung wider, die sich in Vierzehnheiligen längst als fester Bestandteil im Jahreskalender etabliert hat. Pater Stanislaus griff in seiner Ansprache den Tag der Deutschen Einheit auf und schlug eine Brücke zwischen gesellschaftlichen Werten und christlicher Verantwortung. „Einigkeit, Recht und Freiheit“ seien nicht nur Leitgedanken für das menschliche Zusammenleben, sondern müssten auch im Umgang mit der gesamten Schöpfung gelten. Der Mensch trage eine besondere Verantwortung für das Gleichgewicht in der Natur, stoße dabei jedoch immer wieder an seine Grenzen. Umso wichtiger sei es, sich auf Gottes Beistand zu verlassen. Im Anschluss an die Andacht wurden Menschen und Tiere mit Weihwasser gesegnet – stellvertretend auch für jene, die nicht vor Ort sein konnten. Besonders auffällig war in diesem Jahr die große Zahl an Reiterinnen und Reitern, die mit ihren Pferden aus dem Maintal zur Basilika hinaufgekommen waren. Verantwortungsbewusst beseitigten sie nach der Feier die Spuren ihrer Tiere vom Platz.
Auch viele persönliche Geschichten begleiteten die Segnung. Klara und Andreas aus Bamberg brachten ihre Hündin Charlott mit, die sich kürzlich einer Operation unterziehen musste. Andere Besucher, wie Beate und Heinrich aus Marktgraitz, sind seit Jahren regelmäßig dabei. Während eine Teilnehmerin aus Ebensfeld ihre imposante Dogge beruhigend streichelte, hielt Hannah ihre ängstliche Frieda schützend im Arm. Die Tiersegnung macht jedes Jahr aufs Neue die enge Verbindung zwischen Mensch, Tier und Glauben sichtbar. Sie erinnert daran, dass Fürsorge und Respekt gegenüber allen Lebewesen untrennbar zum christlichen Verständnis von Schöpfung gehören. Dass die Feier Anfang Oktober stattfindet, ist dabei bewusst gewählt: Der 4. Oktober, der Gedenktag des heiligen Franz von Assisi, wird weltweit auch als Welttierschutztag begangen und unterstreicht die zentrale Botschaft dieser besonderen Tradition.